Eintracht Frankfurt - FSV Frankfurt

Freundschaftsspiel 1930/31

9:1 (5:0)

 

Termin: 21.06.1931
Zuschauer: 12.000
Schiedsrichter: Best (Höchst)
Tore: 1:0 Joseph Kron (5.), 2:0 Joseph Kron (11.), 3:0 Bernhard Kellerhoff, 4:0 Karl Ehmer (25.), 5:0 August Möbs (44.), 6:0 Karl Ehmer (50.), 7:0 Karl Ehmer, 8:0 August Möbs, 8:1 Mihm, 9:1 August Möbs

 

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt FSV Frankfurt

 


  • Blaimer
  • Grief
  • Bretteville
  • Fischer
  • Wühler
  • Gölz
  • Mihm
  • Rohr
  • Keck

 

Wechsel
  • Kurzeitig Krenz für Möbs
Wechsel
  • Hensel für Gölz (40.)
Trainer Trainer

 

('Frankfurter General-Anzeiger' vom 20.06.1931)

 

 


 

 

('Frankfurter General-Anzeiger' vom 20.06.1931)

 

 


 

 

Eintracht — Fußballsportverein Frankfurt 9:1

Die Ueber-Sensation vom Riederwald! Die größte Sensation in der Resultatliste beider Vereine seit ihrem 31jährigen Bestehen! Eintracht schlägt am Riederwald vor 12.000 Zuschauern den Fußballsportverein mit 9:1 Toren, Halbzeit 5:0, Eckbälle 6:6. Dies die nackte, unerbittliche Tatsache.

Es hat keinen Zweck, an dem Ergebnis herumzuklauben. Die Bälle der Riederwälder rollten mit so unaufhaltsamer Selbstverständlichkeit ins Bornheimer Tor, daß man durch nichts berechtigt ist, zu sagen, die Torziffer sei zu hoch gewesen. Und übrigens braucht man nur daran zu denken, daß die siegreiche Mannschaft bereits vor der Pause drei weitere, so gut wie sichere Gelegenheiten durch Anschießen des Torwächters oder der Pfosten ausgelassen hat.

Für die Eintrachtanhänger war es wie eine Offenbarung, so gut spielte die von ihnen favorisierte Elf. Man muß schon an den seinerzeitigen Besuch des FC. Teplitz oder des 1. FC. Nürnberg (auf dem alten Platze an der Roseggerstraße) zurückdenken, um ähnliche Glanzleistungen in der Erinnerung aufsteigen zu lassen. Und selbst diese Höhepunkte in der Leistungskurve des Mainmeisters verblassen noch im Vergleich zu dem blendenden Eindruck, den die gesamte Mannschaft an diesem ereignisreichen letzten Spielsonntag vor den Sommerferien machte. Man sucht vergeblich nach den Komperativen und Superlativen, um das Positive dieser Leistung in das Vorstellungsvermögen des Lesers einziehen zu lassen. Der Grad der Ueberlegenheit läßt sich eigentlich nur durch den stillen Hinweis auf das vielsagende Ergebnis ausdrücken. Die erste Halbzeit gehörte vollkommen und absolut, die zweite Halbzeit in nicht viel geringerem Maße den Eintrachtlern, die eben die Gegenseite überhaupt nicht zu Wort kommen, „keine Bande kriegen" ließen. Und den armen, fürwahr nicht zu beneidenden Spielern aus Bornheim mag zumute gewesen sein, wie dem Skatspieler auf dem Heimweg von einem verlustreichen Spielabend, bei dem er resigniert sagt: „Ich habe den ganzen Abend nicht ein einziges Mal ein anständiges Blatt bekommen."

Es war erstaunlich, wie vorzüglich dieser Innensturm, der von Kron, Ehmer und Möbs gebildet wurde, den Ball führte, den Gegner täuschte, dem Nebenmann zuschob und im gegebenen Augenblick aufs Tor schoß. Diese drei hervorragenden Spieler waren die größte Ueberraschung auf dem Felde. Der sonst etwas zaghafte Linksaußen Kellerhoff ließ ob seines Kampfeifers erstaunen, und auf dem rechten Flügel stand der schnelle und wuchtige Schaller in nichts den anderen Stürmern nach. Ebenso untadelig arbeitete die Läuferreihe Mantel, Leis und Gramlich. In ganz prächtiger Weise fingen diese Deckungsleute mit ihrem ausgeklügelten Stellungsspiel dem Gegner die Bälle ab, um sie auf das Präziseste ihren Stürmern zuzuschieben. Das Bemerkenswerteste war, daß in diesem Trio der Mittelläufer Leis einen ganz besonders guten Tag hatte. Hinter der internationalen Verteidigung Schütz und Stubb, die trotz lädierter Extremitäten allen Ansprüchen fast mühelos gewachsen war, stand mit dem famosen Torwächter Schmitt die personifizierte Beruhigung für alle diejenigen, die geglaubt hatten, für das Eintrachttor fürchten zu müssen.

Und nun die Bornheimer Elf! So macht- und hilflos hatte diese traditionsreiche Mannschaft wohl noch niemals einem turmhoch überlegenen Gegner gegenüber gestanden. Mit Ausnahme von Knöpfle war es dieselbe Mannschaft, die seit Weihnachten von Sieg zu Sieg geeilt war und noch in den letzten Wochen den „Club", die Spielvereinigung und Schalke mit hohen Resultaten abgefertigt hatte. Es wird ein ewiges Geheimnis bleiben, was diesen Spielern in solch befremdender Weise die Glieder gelähmt, sie in diesen katastrophalen Zusammenbruch hineingetrieben hat. Die größte und schmerzlichste Tragik dieser Riesen-Niederlage liegt natürlich in dem Umstand, daß sie ausgerechnet am Tage der Grundsteinlegung zum Tribünenbau auf dem neuen Sportplatz wie ein furchtbarer Blitz aus heiterem Himmel einschlug, und das einzige erfreuliche war, daß die geschlagene Partei die peinliche Schlappe in untadeliger, sportlicher Weise hinnahm.

Selbstredend ist auch in diesem Falle mit Kopfhängen und schmerzlichen Selbstzerfleischungen absolut nichts getan. Die guten Ergebnisse der letzten Privatspiele müssen als Beweis gelten, daß die Mannschaft an dem einen schweren Schlag nicht zu verzweifeln braucht. Aber eine kalt abwägende Vereinsleitung darf natürlich auch nicht vergessen, daß es aus der jüngsten Vergangenheit außer diesem 1:9 gegen Eintracht noch ein 0:4 gegen Rotweiß gibt. Dieses Debet aus dem Mannschaftskonto muß so oder so ausgeglichen werden, will man mit dem unerläßlichen Selbstvertrauen in die kommenden Verbandsspiele eingreifen.

Es war ein restlos faires, trotz der Einseitigkeit stets spannendes, wegen der Vorzüglichkeit der Eintrachtleistung bis zuletzt fesselndes Spiel, von Schiedsrichter Best aus Höchst im ganzen gut geleitet. Die beiden Parteien erleichtertem dem Spielleiter sein Amt in jeder Hinsicht, dagegen bemühte sich ganz unerklärlicherweise der Linienrichter auf der Tribünenseite durch einseitige Parteinahme für die Blauschwarzen zu stören. Zum Glück blieb es bei einem untauglichen Versuch mit untauglichem Mitteln am untauglichen Objekt.      Ludwig Isenburger. (Aus dem 'Kicker' vom 23.06.1931)

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