FSV Frankfurt - Eintracht Frankfurt

Bezirksliga Main-Hessen, Gruppe Main 1932/33 - 7. Spiel

3:1 (0:0)

Termin: 18.09.1932 im Stadion
Zuschauer: 25.000
Schiedsrichter: Heß (Stuttgart)
Tore: Fritz Schaller

 

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FSV Frankfurt Eintracht Frankfurt

  • J. May
  • Knöpfle
  • Wolf
  • Heldmann
  • Schlagbauer
  • Hensel
  • Knapp
  • Sadtler

 


 

Trainer
Trainer

 

Fußballsportverein — Eintracht Frankfurt 3:1 (0:0)

Dieser Sonntag repräsentierte sich für uns Sportler als ein Großtag allererster Ordnung. In zweifacher Hinsicht. In erster Linie haben wir alle, die wir uns die gedeihliche Entwicklung der Jugend angelegen sein lassen, alle Ursache, des Mannes zu gedenken, der an diesem 18. September 1932 in voller geistiger, leider nicht in völliger körperlicher Rüstigkeit und Frische seinen fünfundsiebenzigsten Geburtstag feiert. Herr Geheimrat Dr. hon. c. Max Walter, den „Kicker"-Lesern aus seiner regen Anteilnahme für alle Fortschritte auch auf sportlichem Gebiete sehr wohl bekannt, verkörpert seit langen Jahrzehnten im Frankfurter Geistesleben ebenso sehr einen Konzentrationspunkt, wie er in allen Fragen wohlverstandener Jugendpflege einer der hervorragendsten Wegebereiter war. Noch selten hat das Herz eines Mannes so laut und unentwegt für die junge Generation geschlagen. Noch selten hat sich das hohe Verantwortungsbewußtsein eines Pädagogen so voll und ganz in die Psyche seiner heranwachsenden Schutzbefohlenen einzufühlen gewußt.

Wir Fußballer insbesondere haben allen Grund, in Walter einen unserer wertvollsten Vorarbeiter anzuerkennen. Mir persönlich ist es eine angenehme, willkommene Gelegenheit, der Fußball--Oeffentlichkeit ins Gedächtnis zurückzurufen, mit welcher Ueberzeugungstreue sich mein ehemaliger Schuldirektor schon vor mehr als dreißig Jahren für die Zulassung und Ausübung des Fußballspiels an der von ihm geleiteten Anstalt erfolgreich einsetzte.

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Zum zweiten brachte dieser 18. September ein fußballsportliches Großereignis. Wenn Walther Bensemann in Person im Frankfurter Stadion erscheint, handelt es sich meistens um das Spiel der Spiele im Mainbezirk. So auch diesmal. Das Ortstreffen Fußballsportverein gegen Eintracht hat noch nicht das geringste an seiner berühmten Zugkraft eingebüßt. Selbst das durchaus nicht gerade einladende Regenwetter, zwischendurch sogar heftige Gewitterschauer etwa zwei Stunden vor Beginn, vermochten den starken Zustrom der Massen nicht einzudämmen. 25000 Zuschauer mögen es sicherlich gewesen sein.

Dieses von weiten Kreisen mit dem gewohnten Rieseninteresse erwartete Punktspiel wurde zu einer wundervollen Propaganda-Veranstaltung. Das Wetter hatte sich aufgeklärt, und in dem prunkvollen Rahmen der großen Kampfbahn zeigten zwei vorzügliche Mannschaften ein faires Spiel von riesiger Spannkraft. Noch selten hat man eine solch ununterbrochene Kette packender Aktionen gesehen, ein Verbandsspiel ohne jeglichen toten Punkt. Technisch sah man vorbildlich schöne Leistungen. Auch die Kombination wies nur selten Mängel auf. Einzelne Kombinationszüge forderten Beifall auf offener Szene heraus. Und die reife Taktik zeugte davon, daß die Spieler auch geistig mit ihrer sportlichen Aufgabe verwachsen sind.

Im Feldspiel machte die Eintracht unstreitig den besseren Gesamteindruck und die größere innere Geschlossenheit. Aber im Erarbeiten von Torchancen und im Erfassen von Schußmöglichkeiten übertraf der Fußballsportverein seinen Gegner ohne allen Zweifel. Daher ist sein 3:1-Sieg nicht im geringsten von ungefähr gekommen. Der bemerkenswerte Erfolg wurde außerdem in absolut korrekter Weise erzwungen. Aber trotz dieser unumwundenen Anerkennung bleibt es bedauerlich, daß eine so spieltüchtige Elf, als welche sich die Eintracht gerade an diesem Tage wieder einmal erwies, die Rolle des Besiegten übernehmen mußte. Unbekümmert um alles Positive in der rühmlichen Leistung der Bornheimer bleibt die Niederlage der Eintracht als unglückliches Geschick in der Erinnerung zurück. Unglücklich deshalb, weil der Eintrachtsturm als der für den Spielausgang entscheidende Mannschaftsteil nicht in stärkster Aufstellung antreten konnte. Ehmer fehlte vollkommen und Dietrich war auf dem Posten des ebenfalls verletzten Verteidigers Schütz zurückgenommen worden. Der Fußballsportverein dagegen hatte das große Glück, diesen wuchtigen Kampf mit seiner besten Elf bestreiten zu können.

Im einzelnen waren in diesem hochdramatisch verlaufenen Spiel auf Seiten der Sieger Knöpfle und Wolf die weitaus besten Leute. Knöpfle besonders war über jedes Lob erhaben und wird in dieser Prunkform am kommenden Sonntag gegen Schweden das Entzücken aller deutschen Zuschauer erwecken. Nach ihnen fielen die Stürmer Schlagbauer und Hensel ob ihrer ständig drohenden Gefährlichkeit besonders auf. Auch Knapp und Sadtler erwiesen sich als von großer Produktivität, und Heldmann dirigierte mit seiner bekannten Virtuosität. Im übrigen befriedigten auch die Spieler der Hintermannschaft. Nur J. May hatte zwischendurch gewisse Schwächeanwandlungen.

Auf Riederwälder Seite zeigte der unermüdliche Stubb eine blendende Leistung. Solange er jedoch seinen typischen Verteidigerschlag nicht verleugnen kann, sollte er aus eigener Einsicht auf Strafstöße in gegnerischer Toresnähe und ähnliche Stürmeraufgaben verzichten. Auch Dietrich verteidigte mit Bravour, und hinter ihm stand in Schmitt ein Tormann, dem man an den drei Toren keine Schuld zuschieben darf. In defensiver Hinsicht und in bezug auf Spielaufbau zeigte die Läuferreihe uneingeschränkt gutes Können, aber nur Leis erkannte seine Aufgabe auch als Helfer im Angriff. Im Sturm waren Kron und Trumpler recht gut, Möbs und Schaller nicht viel schlechter. Nur im Schießen konnte keiner imponieren. Der junge Hemmerich bestand seine Feuerprobe vor großem Publikum gar nicht schlecht.

Auch Schiedsrichter Heß, der alte Stuttgarter VfB.-Mann, machte eine durchaus angenehme Figur.
Ludwig Isenburger. (aus dem 'Kicker' vom 20.09.1932)

 

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