Kickers Oxxenbach - Eintracht Frankfurt

Bezirksliga Main-Hessen, Gruppe Main 1932/33 - 9. Spiel

2:4 (1:2)

Termin: 02.10.1932
Zuschauer: 10.000
Schiedsrichter: Kreichauf (Nürnberg)
Tore: 0:1 Fritz Schaller (5.), 1:1 Grebe (Elfmeter), 1:2 Fritz Schaller, 2:2 Eckardt, 2:3 Rudolf Gramlich (70.), 2:4 Fritz Schaller

 

>> Spielbericht <<

Kickers Oxxenbach Eintracht Frankfurt

  • Müller
  • Schuchardt
  • Neidel
  • Neeß
  • Lohrum
  • Meid
  • Grebe
  • Eckardt
  • Gerth

 


 

Trainer
Trainer

 

Kickers Offenbach — Eintracht Frankfurt 2:4 (1:2).

Fußball-Offenbach hatte wieder einen ganz großen Tag; es handelte sich bei dem Punktekampf gegen Eintracht nicht nur um das Antreten des Süddeutschen Meisters und Endspielteilnehmers, es ging um die Führung, um die Plätze in der Gruppe Main. Die endlosen Debatten der Woche in den Wirtschaften, bei den Friseuren und an allen Straßenecken hatten ebenso den event. Spielausgang als Gegenstand, wie auch das erstmalige Mitwirken des Rumpenheimer Stürmers Eckardt in der Offenbacher Mannschaft (Rumpenheim liegt oberhalb von Bürgel am Main, bekannt als Austragungsort der Offenbacher Regatta). Bereits in den Mittagsstunden des Sonntags setzte überall der Marsch zum Bieberer Berg ein, die ununterbrochene Kette parkender Autos ging von der Schupokaserne bis zu den ersten Häusern in Bieber, also auch nach außenhin eine Demonstration für Fußball für den harmlosen Spaziergänger. Die weite Platzanlage war mit 10000 Besuchern gefüllt, so daß das Fassungsvermögen des Platzes nahezu erschöpft war.

Von diesem Spiel kann man nur in Superlativen sprechen; es war das spannendste, das grandioseste, das der Bieberer Berg überhaupt je gesehen hat. Zur größten Ueberraschung von 90 Prozent der Zuschauer wartete die Eintracht von Beginn an mit so feinen Leistungen auf, daß man die mehrfachen schwarzen Tage des Meisters niemals verstehen konnte. Die Frankfurter verloren in keinem Augenblick des Spieles die Ruhe, in jeder Lage versuchte man zweckmäßige Aufbauarbeit, und da der Sturm auch den Schuß nicht vernachlässigte, kam der Sieg eigentlich ganz zwangsläufig. Es gab Augenblicke, in denen das genaue, flache Paßspiel lauten Beifall erregte. Die Kickers erreichten nicht immer die Form ihres Gegners; aber man sollte der Mannschaft keine Vorwürfe machen, sie gab ihr bestes und letztes. Am Schluß gestanden die Offenbacher Spieler, einem Besseren unterlegen zu sein, und daß sie es in Ehren sind, sei ihnen an dieser Stelle bestätigt. Es lassen sich gewisse Entschuldigungen anführen, so z. B. verletzte Leute wie Gerth oder Eckardt, aber man darf nicht verkennen, daß die Offenbacher über ihre Kraft und ihr Können einfach nicht hinauszukommen in der Lage sind.

Dietrich und Kron, das Ersatzverteidigerpaar für die Internationalen Schütz und Stubb, ließen von „Ersatz" nichts ersehen, beide verdienen für ihre blitzsaubere Arbeit restlose Anerkennung, die man auch auf den tüchtigen und sicheren Torwart Schmitt ausdehnen darf. Gramlich überragte in der Läuferreihe, auch ihn hatte man kaum je in besserer Form gesehen. Ueberraschenderweise fiel der Ersatzmann Hemmerich am linken Flügel nicht aus, und Möbs schien von einer wahren Schießwut besessen, aber den Vogel schoß im Sturm Schaller, den wir schon so oft totgesagt haben, ab, nicht nur wegen der drei Tore, die er zu erzwingen wußte.

In Offenbach wird es nun natürlich viele geben, die die Verantwortlichen — das ist hier nun einmal so! — mit Vorwürfen überhäufen werden, weil diese Matthes durch Eckardt ersetzten. Ich gebe ohne weiteres zu, daß Eckardt sich nie zurechtfand, seine einzige Tat im ganzen Spiel war der Torschuß, der das zweite Tor ergab. Ein solches Versagen konnte niemand ahnen; es fragt sich nur, ob nicht eine entsprechende Umstellung zweckmäßig gewesen wäre? So zeigte Schuchardt nicht viel, und auch Neidel leistete sich manche Kiste. Dagegen gefielen Neeß, Lohrum, Meid und nicht zuletzt Grebe, der seine Qualitäten wieder in allen Farben schimmern ließ.

Kreichauf (Nürnberg) hatte einen unsagbar schweren Stand, er gab sich mit Erfolg die erdenkliche Mühe, die Sache glatt zu Ende zu bringen, auch in Zeiten, in denen es recht rauh herging. Bereits in der 5. Minute schoß Schaller ein; ein von Grebe verwandelter Foulelfmeter brachte den Gleichstand, dann war Schaller nochmals erfolgreich.

In der zweiten Hälfte fiel das schönste Tor des Tages, als Eckardt blitzschnell eine hohe Flanke Gerths aus der Luft nahm und mit Bombenschuß verwandelte. Gerade jetzt glaubte man an einen Umschwung der Dinge, aber die Eintracht hielt ihn nieder; zwanzig Minuten vor Schluß setzte Gramlich einen hohen Ball aufs Tor, den Müller — bedrängt und behindert — passieren ließ, und schließlich verwandelte noch Schaller eine gute Vorlage Ehmers. 23 Mann waren müde und matt, es folgte nichts mehr von Bedeutung, der Eintracht genügte der spielerische Erfolg und den Offenbachern der finanzielle.      Christel. (aus dem 'Kicker' vom 04.10.1932)

 

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