Stuttgarter Kickers - Eintracht Frankfurt

Süddeutsche Meisterschaft, Gruppe Nord-Süd 1932/33 - 3. Spiel

3:2 (0:0)

Termin: 15.01.1933
Zuschauer: 9.000
Schiedsrichter: Port (Nürnberg)
Tore: 1:0 Cozza (47.), 2:0 Cozza (49.), 2:1 Behning, 2:2 Behning, 3:2 Strauß (87.)

 

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Stuttgarter Kickers Eintracht Frankfurt

  • Baier
  • Mihalek
  • Strauß
  • Merz
  • Welz
  • Cozza
  • Euchenhofer

 


 

Trainer Trainer

 

Kickers Stuttgart - Eintracht 3:2

Die Eintracht hat aus Frankfurt ernste Mahnungen mit auf den Weg nach Stuttgart bekommen und man hat von der Leistung alles getan, um endlich wieder einmal die Anhänger mit der Aufstellung wie mit einem annehmbaren Ergebnis zufrieden zu stellen. Am Samstag abend kamen bereits Frankfurter an, nahmen in dem bekannten Sportler-Quartier, dem ruhig gelegenen Parkhotel Silber, Wohnung und ahnten nicht, daß sich Wand an Wand mit ihnen vielleicht die Zukunft unseres süddeutschen Fußballsportes entschied. Tiefer Ernst lag auf den Gesichtern der Herren des Verbandsvorstandes, die sich in der Nacht vom Samstag auf Sonntag mit dem Hauptproblem unseres Sportes „Berufsspielertum oder nicht" befaßten.

Am Sonntag kam noch der Stab der Frankfurter Eintracht nach. Graf Beroldingen eilte vom Bensemann-Jubiläum in Mannheim herbei und selbstverständlich fehlten auch Walter Neumann, Reiß und die anderen getreuen „Stabsoffiziere" der Eintracht nicht. Der Schwere des Spiels war man sich in allen Teilen bewußt, von einer etwa überheblichen Einstellung der Eintrachtleute auf dieses Spiel war nichts zu bemerken. Allerdings als komplette Mannschaft konnte man die der Frankfurter nicht bezeichnen, denn wenn auch Stubb mitwirkte, seine Beinverletzung machte ihm immer noch deutlich zu schaffen. Vor allem aber vermißte man den alten Routinier Dietrich sowie Möbs und damit zwei Leute, die der süddeutsche Meister heute noch nicht in seinem Angriff entbehren kann.

Ein trüber Sonntag mit verhängtem Schneewolkenhimmel brachte wiederum eine Massenwanderung nach Degerloch, 9000 Zuschauer kamen dort oben zusammen. Der Kickersplatz war von arbeitswilligen Mitgliedern im Laufe der Woche etwas verbreitert worden, so daß die Sichtmöglichkeit besser war. Schon recht frühzeitig waren viele zur Stelle, denn ab 1 Uhr wickelte sich als Vorspiel eine wichtige Entscheidung der Kreisliga des Kreises Alt-Württemberg ab, nämlich die Begegnung Sportfreunde — Botnang, die die von Karl Burger trainierten Sportfreundemannen mit sicheren drei Toren gegen die Botnanger gewannen.

Dann kam der große Kampf, der die Stuttgarter über den Sieg der Kickers in helle Begeisterung versetzte. Von dieser Begeisterung werden mit gutem Recht auch die zukünftigen Spiele der Kickers getragen sein und die Chancen der Einheimischen stehen in der Abteilung Nord-Süd keineswegs schlecht. Eines darf man natürlich nicht vergessen, daß die Eintracht von heute nicht mehr die Eintracht vergangener Jahre ist. Das lebendige Feuer, das einst der heute noch intelligenten Spielweise der Frankfurter die nötige Durchschlagskraft verlieh, ist ihr so ziemlich abhanden gekommen. Die Frankfurter, in der Hintermannschaft stramme, stämmige Gestalten, spielten in der ersten Spielhälfte zu viel aus dem Stand heraus und ließen ziemlich ungehindert dar viel temperamentvollere Kickersspiel zur Entfaltung kommen. Allerdings muß man einflechten, daß der hartgefrorene Boden für die massigen Figuren die Ballkontrolle ziemlich erschwerte und so sah man gerade von den internationalen Leuten der Schwarzroten, hauptsächlich Stubb und Gramlich, ein etwas unbewegliches Spiel, das deren sonstige Stärke und Gewandtheit verdeckte. Ein Glück war es, daß der im Munde der Spielausschußgewaltigen noch nie geführte Frankfurter Torhüter Schmidt sich als ein Mann von Extraklasse zeigte, der vor allem viele gefährliche Situationen und unerwartete Schüsse sicher wegzuboxen verstand. Nimmt man dazu noch Schütz, der immer noch in seiner Sicherheit und Eleganz des Abschlags unerreicht ist, so sind die Stützen der Frankfurter Hintermannschaft besonders hervorgehoben. Der Mittelläufer Leis spielte in der ersten Halbzeit zu durchsichtiges, schematisches Flügelspiel, später kam seine intelligente, aufbauende Spielweise besser zur Geltung. Mantel wirkte wohl als linker Läufer unauffällig, aber er hat von seinem früheren Können noch nichts eingebüßt, für seine Weichheit kann er nichts. Der Eintrachtsturm steht falsch, was wenigstens das Innentrio betrifft. Ehmer und Kron waren wohl die schwächsten Leute der Eintracht. Ehmer ist nicht mehr der Tank und der lange Kron hatte auf diesem Boden überhaupt keine Gefährlichkeit aufzuweisen. Schade, daß Behning, der Westfale, der einige Bombenschüsse vom Stapel ließ und auch beide Eintrachttore schoß, nicht in der Mitte der Frankfurter wirkte. Von den Flügeln war Lindner der weitaus bessere, er lief, kurvte und flankte recht gut. Trumpler, der die meisten Chancen hatte, verdarb jedoch durch sein eigenwilliges Dribbeln manches.

Was die Kickers der Eintracht voraus hatten, nämlich die bessere Vertrautheit mit den Bodenverhältnissen und das forschere, schnellere Spiel, verhalf ihnen auch zum Sieg. Dieser hätte eigentlich schon in der ersten Halbzeit feststehen müssen, denn da zeigten sich die Kickers einwandfrei als die bessere Mannschaft. Allerdings traten sofort wieder Schwächen auf, als man sich mit 2 Toren Vorsprung in Sicherheit wähnte und die Eintracht ein Tor aufholte. Da kam klipp und klar zum Vorschein, daß bei den Blauweißen noch nicht alles ausgereift ist, es steckt noch manches Hemmende im Mannschaftsspiel drin. In der zweiten Hälfte wurden die Kickers schwach und schwächer und nach dem Ausgleich der Eintracht glaubte niemand mehr an den Sieg, das 2:2 wäre angesichts des besser gewordenen Spiels der Frankfurter, das sich nun recht produktiv und lehrreich ansah, ein gerechter Ausgang gewesen. Einige Unsicherheiten von Baier am Sonntag ließen ihn neben Mihalek weniger gut erscheinen, dagegen war die Kickersläuferreihe ganz auf dem Damm. Im Sturm probierte es Euchenhofer wieder auf Linksaußen, aber man muß sagen, der Nürtinger hat sein Selbstvertrauen noch nicht wiedergefunden, er war schwächer wie sein Vorgänger gegen Böckingen. Zeitweise und besonders zu Beginn war Cozza neben ihm auch matt, dieser aber hat durch seine Entschlossenheit bei den zwei Kickerstoren alles wieder wettgemacht. Strauß, Merz und Welz waren auf alle Fälle ständig dahinter her, aus dem langsamen Spiel der Frankfurter zu profitieren und aus diesem Grund verdienen die drei energischsten Stürmer der Kickers auch ein besonderes Lob. Das Siegestor von Strauß war sehr schön, aus viel schwierigeren Situationen heraus mußte aber Cozza seine beiden schwungvollen Tore erzielen.

Als Schiedsrichter wurde Herr Port-Nürnberg mit diesem Schlußspiel vor eine größere Aufgabe gestellt. Er zeigte keine schlechte Gesamtleistung und wenn ihm gerade die vielen nicht gegebenen Hände angekreidet wurden, so mag zu seiner Rechtfertigung dienen, daß dabei der gefrorene Boden berücksichtigt werden mußte; ein unabsichtliches, also durch die Tücken des Bodens verursachte Händespiel kennen aber die Fußballregeln nicht.

In der ganzen ersten Halbzeit konnten die Kickers leicht drängen, 6 Ecken gegen 2 der Eintracht erzwingen und auch durch ihr forscheres Angriffsspiel sich für einen Sieg prädestinieren. Aber der Mut von Schmidt und manche vergebene Chance kamen der Eintracht zustatten.

Die zweite Halbzeit fing dagegen munter an. Schon in der ersten Minute ging Welz durch, seine Flanke köpft Cozza ein, doch der hechtende Schmidt beseitigt nochmals die Gefahr, aber die wiederholte Flanke von Welz kann Cozza doch einschieben. Eintracht spielt trotz der 1:0-Führung der Kickers weiterhin lässig. Welz kommt eine Minute darauf nochmals zum Flanken und Cozza nimmt den Ball gewandt mit dem Kopf mit ins Tor. Nun wacht Eintracht auf, die Schußkanone Behning jagt aus 30 Meter einen Ball an den Pfosten, daß es kracht, und wiederholt 5 Minuten später dieselbe Sache, nur mit dem Unterschied, daß diesmal das Tor sitzt. Nun wird Eintracht sehr rührig, spielt einen weitmaschigen, auseinandergezogenen Fußball, dem die Kickers nicht ganz gewachsen sind und gleicht auch bald durch eine wiederum von Behning verwandelte Flanke von links aus. Die Eintrachtler haben sich nun gefunden, dabei kommen ihnen noch Unsicherheiten von Baier zustatten, man gibt nicht mehr viel für einen Kickerssieg. In der 87. Minute sollte er doch noch zustandekommen: Einen Paß von Cozza nach rechts läßt der dauernd hinkende Stubb durchlaufen, Strauß steht parat und jagt einen Bombenschuß ins Eck, der die Eintrachtler knapp geschlagen nach Hause schickt.      Wingo. (aus dem 'Kicker' vom 17.01.1933)

 

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