Eintracht Frankfurt - Stuttgarter Kickers

Süddeutsche Meisterschaft, Gruppe Nord-Süd 1932/33 - 10. Spiel

4:0 (1:0)

Termin: 19.03.1933
Zuschauer: 4.000
Schiedsrichter: Carl Walter (Ludwigshafen)
Tore: 1:0 Karl Ehmer, 2:0 Karl Ehmer, 3:0 Karl Ehmer, 4:0 Karl Ehmer

 

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt Stuttgarter Kickers

 


  • Haarer
  • Mihalek
  • Baier
  • Claus
  • Walz
  • Handte

 

Trainer Trainer

 

Vier Tore und viermal der Schütze: Ehmer

Eintracht Frankfurt — Kickers Stuttgart 4:0 (1:0).

Das prächtige Blau-weiß der Stuttgarter Kickers-Farben wirkt auf Frankfurter Augen angenehm. Die Träger dieser altberühmten Fußballkleidung sind nach wie vor in Frankfurt gern gesehene Gäste. Stuttgarter Kickers gegen Eintracht Frankfurt oder umgekehrt ist so ein wertvollstes Stückchen süddeutscher Fußballgeschichte, Fußballentwicklung. Eine Kette von Erinnerungen taucht auf, angenehme Bilder freundnachbarlicher Sportbrüderschaft. Die Schwaben, von je als angenehme Verlierer bekannt, können es sich leisten, sich dann und wann auch einmal verhältnismäßig hoch schlagen zu lassen. Ihr guter Ruf bleibt unantastbar, denn er ist viel zu gut begründet, als daß er durch eine Gelegenheitserscheinung hinweggeblasen werden könnte. Zudem heute, wo sich der Fernstehende aus dem unerwartet hohen 4:0 möglicherweise ein nicht ganz stichhaltiges Bild vom Spielverlauf und nur eine unzutreffende Vorstellung über den Unterschied der beiderseitigen Leistungen machen wird. Eintrachts Sieg war einwandfrei berechtigt, darüber zu streiten, wird wohl keinem Vernünftigen in den Sinn kommen. Aber das 4:0 läßt auf eine Ueberlegenheit schließen, die eigentlich in keinem Augenblick dieses 90-Minuten-Kampfes nachweisbar war. Die Frankfurter waren in der ersten Halbzeit meistens leicht, nach der Pause durchweg, aber doch etwas weniger deutlich, überlegen, aber, wenn man sich lediglich an das 4:0 klammert, hätte dieser Film doch wesentlich einseitiger abrollen müssen, als es in Wirklichkeit der Fall war. Und doch muß man wieder bedenken daß es eigenes Verschulden war, wenn es den Gästen nicht einmal zu dem sogenannten Ehrentor reichte, zu dem sie sich nicht einmal eine handgreifliche Gelegenheit herausarbeiten konnten. Dazu war ihr Innensturm zu durchschlagsschwach, ihr Zusammenhang mit den Außenstürmern, von denen ordnungsgemäß die Vorbereitungsarbeiten hätten geleistet werden müssen zu unzulänglich, und die ganze Zusammenarbeit zu sehr auf Spiel in Breite eingestellt. Es war das übliche unzulängliche Aufbaupiel einer Läuferreihe, die vollauf in Abwehrbetätigung erschöpft ist, so sehr, daß es ein Glück für Leute wie Claus und Walz, war, in Mihalek und Baier zwei sehr aufmerksame Stellungsspieler hinter sich zu haben. Genau betrachtet übertrumpften die Stuttgarter ihren Gegner nur in einer Hinsicht: sie deckten besser ab. Vor allen Dingen achteten sie weit mehr darauf, daß es nur halbe Arbeit ist, wenn ein Läufer den im Besitz des Balles befindlichen Gegner angreift, wenn nicht zugleich ein anderer Spieler jede Abspielmöglichkeit für den Angegriffenen abriegelt. In dieser taktischen Hinsicht hat selbst die Hintermannschaft der Eintracht noch sehr viel zu lernen. Es kommt letzten Endes immer wieder auf das berühmte "mark the man!" der Engländer hinaus.

Die Kickers haben auch heute noch viel von der gediegenen Spielweise früherer Tage mit ihrem Ueberschuß an Balltechnik und Spielkultur. Aber was Dori Kürschner seinerzeit ihnen beibrachte, ist nicht mehr in der ehemaligen Reife und Vollkommenheit vorhanden. Es handelt sich bestenfalls um Ueberreste. Das Spiel ist wesentlich langsamer geworden, der Zug zum gegnerischen Tor, der früher oft genug ein unwiderstehlicher Drang war, ist fast ganz abhanden gekommen. Dadurch fesselt das Bemühen nicht mehr annähend in dem Maße, in dem sich früher die Frankfurter Zuschauer von einem Kickers-Gastspiel gefangen nehmen ließen. Vielleicht auch deshalb nur 4000 Zuschauer? Aber das konnte man ja im voraus eigentlich nicht wissen. Vielleicht störte es auch am meisten, daß Mittelläufer Link und Mittelstürmer Strauß in der Mannschaft fehlten.

Recht gut gefiel Torwart Haarer, trotz der vier Gegentore. Der „alte" Mihalek bewies wieder einmal, wie wertvoll Spielerfahrung ist. Auch sein Nebenmann fand sich mit dem Berg voll Arbeit befriedigend ab. Weniger rosig sah es in der Läuferreihe aus, in der nur Handte wiederholt angenehm auffiel, weil er, als einziger dieser Mannschaftsreihe, wenigstens hie und da etwas für seinen Sturm tat. Die beiden übrigen begnügten sich mit Abwehrarbeit, die zudem nicht immer glückte. Trumpler und Ehmer ließen sich eben nicht immer stören.

Bei Eintracht sah alles gespannt und erwartungsvoll auf den Mittelläufer, Leis. Der Kelsterbacher tat seinen zahlreichen Verehrern den Gefallen und behauptete sich wieder in der Rolle als bester Mann auf dem Platze. Es liegt also nach wie vor nur noch an „Onkel Otto", und Leis wird mit seinen Nebenleuten Gramlich und Mantel den Länderdreß tragen. Auch Trumpler war wieder gut aufgelegt. Nicht zu vergessen Ehmer, dessen vier Tore für ihn und für sich selbst sprechen. Aber trotzdem verbleibe ich bei der Auffassung, daß Ehmer ein Halblinker ist. Sehr gut auch Dietrich, dagegen kam Monz erst nach der Pause in Fahrt, und Berger 1 hatte neben manchen guten auch schwächere Momente. Seine Flanken gehen meistens hinter die Sturmlinie. Kron war vor der Pause nicht immer im Bilde, später jedoch sehr gut. Tiefel ist kein Außenläufer, schade, daß er zum Mittelläufer kaum Gelegenheit finden wird. Eintrachts Hintermannschaft stand gut, wenn man von einzelnen Schnitzern Stubbs absieht. Torwart Schmitt zeigte wieder, bei geringerer Inanspruchnahme, viel Sicherheit und Ruhe. Seine Abschläge sind besser geworden.

Auch Schiedsrichter Carl Walter, Reichsbahn-Sportverein Ludwigshafen, fand dankbare Anerkennung für seine gute Spielleitung.      Ludwig Isenburger. (aus dem 'Kicker' vom 21.03.1933)

 

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