Karlsruher FV - Eintracht Frankfurt

Süddeutsche Meisterschaft, Gruppe Nord-Süd 1932/33 - 11. Spiel

2:3 (1:2)

Termin: 26.03.1933
Zuschauer: 4.500
Schiedsrichter: Freiländer (Mannheim)
Tore: 0:1 Behning (10.), 1:1 Müller (12.), 1:2 Walter Dietrich, 1:3 Willi Lindner, 2:3 Gaßmann

 

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Karlsruher FV Eintracht Frankfurt

  • Stadler
  • Huber
  • Wünsch
  • Müller
  • Gaßmann
  • Braun

 


 

Trainer
Trainer

 

Mit vertauschten Rollen

KFV. — Eintracht Frankfurt 2:3

Der Titel „Mit vertauschten Rollen" steht schon zu Recht. Hatte nämlich im Vorspiel ein stabiler KFV. der krisengeschwächten Frankfurterin ein achtunggebietendes 1:1 abgetrotzt, so traf heute eine wesentlich festere Eintracht auf einen Gegner, dessen Formrückgang leider kein Geheimnis mehr ist. Trotzdem — oder gerade deshalb? — war der Zustrom zum KFV.-Platz stärker als bei den letzten Spielen. Daß wieder 4000 bis 5000 Sportbegeisterte und Neugierige den Weg zur Telegraphenkaserne fanden, dürfte das Erfreulichste an diesem Zusammentreffen des Tabellenführers mit dem inoffiziellen badischen Meister gewesen sein. Das Spiel selbst wurde nicht unerheblich durch den — so sagt man im Alemannischen — steifen Märzluft beeinträchtigt, der hohe Bälle unbarmherzig bremste und oft in rechtem Winkel auf den Rasen gleiten ließ. Es dauerte aber gut 89 Minuten, bis diverse Verteidiger davon Kenntnis nahmen. Sonst aber hatten die Verteidiger hüben und drüben ihren großen Tag. Doch davon später.

Das Spiel war schnell und abwechslungsreich; hatte vor dem Wechsel der KFV lange Zeit die Geschehnisse diktieren können, so sah die zweite Hälfte größtenteils den Gast in Front. Prachtleistungen waren die beiden ersten Tore. Da lief nach zehn Minuten Spieldauer Trumpler am rechten Flügel unwiderstehlich auf und davon, sein Schuß knallt mit unheimlicher Vehemenz an den Pfosten, und Behning bugsiert das zurückspritzende Leder kaltblütig ins Netz. Unmittelbar nach Wiederanstoß verwirkt Frankfurt einen Strafstoß. Aus 25 Meter saust Müllers Geschoß wie die Kugel aus dem Rohr unhaltbar in Schmitts Gehäuse. Innerhalb anderthalb Minuten Führungstor und Ausgleichstreffer! Wenn so etwas nicht begeistern soll! Der Elan des KFV. verwies in der Folge die Frankfurter völlig in die Defensive. Erst ein energischer Vorstoß gab nach reichlich 20 Minuten Dietrich Gelegenheit, auf Flanke von Trumpler einen von Stadler mangelhaft gewehrten Ball einzuschießen. Nach dem Wechsel drängte Eintracht mit Rückenwind eine gute halbe Stunde. Das Ergebnis dieser Offensive war Lindners Tor (3:1). Auch hier war Stadlers Abwehr nicht fehlerfrei. Im Endspurt verbesserte Gaßmann verdient auf 3:2. Ja, mit etwas Glück wäre der Ausgleich erzielt worden, aber zwei ganz sichere Gelegenheiten vergab der gegen die überaus starke Frankfurter Abwehr körperlich zu schwache Karlsruher Mittelstürmer.

Von den Leistungen des Gastes war man hier und dort etwas enttäuscht. Mag auch sein, daß man, wie üblich, die Erwartungen eben doch zu hoch geschraubt hatte. Zweifellos erfüllte die Angriffsreihe nicht alle Forderungen, die man an eine Meistermannschaft zu stellen pflegt. Ehmer und Dietrich scheinen auch den Jahren ihren Tribut zahlen zu müssen und lassen es Beweglichkeit und Wendigkeit deutlich fehlen. Um so geläufiger ist Dietrichs Mundwerk. Der neugebackene Internationale Lindner kam nie ins Spiel, und was er zeigen wollte, mißlang fast restlos. Gut dagegen spielte der lange Behning als Rechtsverbinder und der ungemein schnelle und technisch reife Trumpler. Die Läuferreihe zeichnet für den Sieg in erster Linie verantwortlich. Abwehr und Aufbau kamen gleichmäßig zu ihrem Recht. Famos schlug sich das Schlußtrio, Stubb besonders erntete immer wieder Bewunderung und Anerkennung.

*

Die Mannschaft des KFV. ist augenblicklich außer Form. Der Hauptgrund dürfte die Schwierigkeit sein, einige wichtige Posten erfolgversprechend zu besetzen bzw. umzubesetzen. Der Angriff hatte heute überhaupt nur einen Stürmer, der gegen Eintracht aufkommen konnte: Müller. Wie immer zeigte er technische und taktische Glanzleistungen. Aber wie immer in letzter Zeit nur in der ersteh Hälfte. Und das ist seine Hauptschwäche, er hält nicht durch, offenbar verausgabt er sich zu früh. Aber ein wirklich erstklassiger Spieler weiß mit seinen Kräften hauszuhalten und — bringt auch Kampfgeist auf, wenn der Gegner im Vorteil liegt. Die übrigen Stürmer gaben sich alle erdenkliche Mühe. Drum mag der gute Wille gelobt werden. Das überhebt aber den Kritiker nicht der Feststellung, daß Braun, der Ersatzmann für Bekir, ein vollkommener Versager war. Die Läufer spielten ihr Pensum fleißig und brav, indes ohne große Linie. Huber-Wünsch wetteiferten, es ihren internationalen Gegnern gleich zu tun. Ich möchte auch heute Wünsch noch besser beurteilen als seinen Partner.

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Schiedsrichter Freiländer-Mannheim genießt einen guten Ruf. Heute fand er viel Widerspruch, nicht immer zu Unrecht.      Carl Mengis. (aus dem 'Kicker' vom 28.03.1933)

 

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