FSV Frankfurt - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1934/35

1:3 (0:1)

Termin: 15.06.1935
Zuschauer: 4.000
Schiedsrichter: Hillgärtner (Darmstadt)
Tore: 0:1 Hans Stubb (39.), 0:2 Karl Ehmer (54.), 0:3 August Möbs, 1:3 Schweinhardt (81., Handelfmeter)

 

>> Spielbericht <<

FSV Frankfurt Eintracht Frankfurt

  • Kersten
  • Mihm
  • Sommer
  • Fischer
  • Sadtler
  • Heldmann
  • Schweinhardt
  • Schuchardt
  • Man
  • Harderer

 


 

Wechsel
Wechsel
Trainer
Trainer

 

 

 

Eintracht siegt im Lokalkampf 3:1

In früheren Zeiten waren bei einem Lokalkampf Fußballsportverein gegen Eintracht fast alle Plätze zu klein, um die Zuschauermassen zu fassen, die voller Begeisterung hinter den Spielern beider Mannschaften standen. Heute dagegen war nur die eine Seite gut besetzt, während man auf der Tribünenseite noch reichlich Lücken feststellen konnte. Eintracht war dem Platzverein technisch überlegen, spielte genauer zu und brachte seine Angriffe geschlossener vor des Gegners Tor. Der Sieg in dieser Höhe entspricht voll und ganz dem Spielverlauf und dem Spielvermögen der einzelnen Leute vom Riederwald.

Einen Fehlgriff hatte man mit der Entscheidung des Schiedsrichters Hillgärtner aus Darmstadt getan, denn dieser Unparteiische war den Anforderungen nicht gewachsen. Wir haben hier in Frankfurt gute und einwandfreie Schiedsrichter genug, um einen derartigen Lokalkampf zu leiten.

Für Kersten im Sportvereinstor waren die Bälle unhaltbar. Mihm spielte schwach. Der beste Mann des Platzvereins war Sommer, ihm reihten sich Sadtler, Heldmann und Schweinhardt würdig an. Schuchardt war zu langsam und paßt nicht mehr zu den flink spielenden Sadtler und Man. Harderer war ausnahmslos schwach.

In der Eintrachtelf stand die Hintermannschaft wie eine Mauer und gute Unterstützung fand der Sturm in der technisch gut spielenden Läuferreihe. Der Sturm kombinierte bis zur äußersten Grenze und machte dadurch den Gegnern die Abdeckung äußerst schwer.

Vom Anstoß der Eintracht ab wechseln vorerst die Angriffe, und nach einiger Zeit Mittelfeldspiel bringt die Eintracht das Tor des Sportvereins sehr oft in Gefahr, aber erst in der 39. Minute fällt der erste Treffer. Stubb nimmt eine weite Vorlage gut auf, umspielt eins, zwei und dreimal, bis er den geeigneten Winkel hat, um den siegreichen Torschuß anbringen zu können. Mit 1:0 für Eintracht geht es in die Pause.

Bereits nach 9 Minuten kann Ehmer eine schöne Flanke von Berger zum zweiten Erfolg einschießen. Der Fußballsportverein strengt sich mächtig an und die Eintracht-Hintermannschaft hat einige Minuten schwere Arbeit zu verrichten, um ihr Tor reinzuhalten. Entgegengesetzt legt Berger Möbs gut vor, und mit einem schönen Flachschuß wird das Ergebnis auf 3:0 gestellt. In der 36. Minute wird Tiefel fest angeschossen, der Schiedsrichter diktiert einen Elfmeter, den Schweinhardt zum Ehrentreffer verwandelt. Ecken 5:6 für Eintracht.      S. (aus dem 'Frankfurter Volksblatt' vom 16.06.1935)

 

 


 

 

Das Frankfurter-Derby

Diesmal war Eintracht tatsächlich besser

Es war ein angenehmes, freundliches Derby. Es erfüllte keine hochfliegenden Träume, aber es empörte auch nicht, erbitterte nicht. Es gab auch unter dien Anhängern Bornheims kaum einen, der nicht zugeben mußte: Eintracht war an diesem Samstagabend in besserer Form, sie spielte genauer zu und sie hatte die weitaus stärkere Läuferreihe. Es geht dem Frankfurter Fußball nicht gut im Augenblick, aber wenn „Derby" auf den Plakaten steht, dann kommen immer noch, und wenn es an einem Samstagabend ist, 4000 Menschen. Die Freude der Eintrachtfreunde war groß. Sie galt zwei Dingen: der großartigen Form Konrads, der in seinen letzten Spielen sehr matt war — man vergaß ganz, daß es seine ersten Spiele seit langer Zeit gewesen — und sie galt dem Stürmergeist der Eintracht. Man wagt noch nicht daran zu glauben, daß es damit so bleibt, aber man hofft wieder einmal. Die Ansätze waren versprechend. Stubb spielte wieder Linksaußen, aber es scheint, daß dieser prächtige, breite Fußballspieler das Zeug zum künftigen Sturmführer der Eintracht hat. Jene kleinen Verspieltheiten, die ihm als Verteidiger so schaden, können dem Stürmer nicht zum Verhängnis werden und das große Streben nach dem Tor wurde nie deutlicher, als fünf Minuten vor Schluß der ersten Hälfte Hennes einen Schuß unter die Torlatte pflasterte, daß das Dach wegzufliegen drohte. Doch wurde er just dabei verletzt und für ihn kam nach Seitenwechsel Berger 2 ins Feld. Er brachte eine Form mit, die zur Verwunderung reizte. Auf zwei Vorlagen von ihm schossen Ehmer und Möbs zwei weitere Eintrachttore und erst als es 3:0 stand, knappe zehn Minuten vor Schluß, machte Tiefel ein Hand im Strafraum und Schweinhardt schoß den Strafstoß sehr placiert ins linke untere Eck, man meinte ihn sausen zu hören. Das Ergebnis wird, um einen vielgebrauchten Ausdruck weiter abzuschleifen, dem Spielverlauf gerecht. Die Eintracht hatte einen Stil, die Bornheimer hatten keinen, das ist alles, sagte ein Kollege. In der Tat: Eintracht spielte konsequent mit zurückgezogenem Mittelläufer — als welcher Fürbeth überraschend sicher arbeitete — und mit zurückgenommenem Halbrechten. Das war Hugo Mantel diesmal. Bärenstark war die rechte Seite, soweit sie Gramlich und Konrad betraf. Von links her konnte Bornheim also gar nichts werden und rechts paßten Zipp und Tiefel nur um Millimetergrade weniger erfolgreich auf. Es war also diese unheimliche Läuferleistung der Eintracht, die ihrem Sturm viel Futter und viel freie Bahn gab und die schließlich den Sieg erwirkte. Die ganze Eintracht spielte schneidig und verwegen, während man alle diese Eigenschaften, die doch einmal ein Bornheimer Nationalgut waren, bei den Blauschwarzen vermißte. Sie kämpften mit Einzelleistungen, sie arbeiteten sich auf gut Glück voran, aber sie kamen nicht durch damit. In der Verteidigung gab es arge Lässigkeiten, wenn auch Kersten im Tor schuldlos an den Treffern war, in der Läuferreihe mußte sich Fischer diesmal von Sommer übertrumpfen lassen und im Sturm zappelte sich der kleine Heldmann vergeblich ab. Nur Sadtler kam noch an ihn heran. Entfernt.

Die Bilanz der großen Lokalderbys in dieser Spielzeit? Sie kann beide Mannschaften friedlich stimmen: jede verlor ein Spiel und einmal machte man Unentschieden. Aber genauer besehen, ist der Fußballsportverein doch im Vorteil, denn zwei dieser Spiele waren Punktekämpfe und just in ihnen war er erfolgreicher.      Jan Jansen. (aus dem 'Kicker' vom 18.06.1935)

 

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