Bayern München - Eintracht Frankfurt

Bundesliga 1973/1974 - 9. Spieltag

2:2 (2:1)

Termin: Sa 29.09.1973, 15:30 Uhr
Zuschauer: 74.500
Schiedsrichter: Dr. Gerd Siepe (Köln)
Tore: 1:0 Bernd Dürnberger (31.), 2:0 Bernd Dürnberger (32.), 2:1 Bernd Nickel (34.), 2:2 Bernd Hölzenbein (49.)

>> Spielbericht <<

Bayern München Eintracht Frankfurt

  • Sepp Maier
  • Johnny Hansen
  • Georg Schwarzenbeck
  • Franz Beckenbauer
  • Paul Breitner
  • Gerd Müller
  • Bernd Gersdorff
  • Bernd Dürnberger
  • Jupp Kapellmann
  • Ulrich Hoeneß
  • Rainer Zobel

 


 

Wechsel
  • Franz Roth für Paul Breitner (81.)
Wechsel
Trainer
  • Udo Lattek
Trainer

 

Oktoberfest mit Äppelwoi

Die Eintracht kommt! Dieses geflügelte Wort hat derzeit eine doppelte Bedeutung. Zum Einen ist erstaunlich wie sich die Frankfurter innerhalb kurzer Zeit als dritte Kraft im deutschen Fußball neben Bayern und Gladbach zu etablieren scheinen, zum Andern ist damit einhergehend die Eintracht zum Publikumsmagneten geworden. Ein Gastspiel der Adler sorgt für volle Stadien. So auch heute, wo die Frankfurter im Olympiastadion vor ausverkauftem Haus bei den Bayern antreten.

Die sieggewohnten Münchner sind dafür bekannt, dass sie dem Gegner zur Wiesnzeit gemeinhin kein Pardon gewähren. Und zunächst läuft für die Bayern auch alles nach Plan: Durch einen Doppelschlag von Dürnberger in der 31. und 32. Minute führen die Bayern quasi standesgemäß 2:0.

Für den neutralen Beobachter ist zu diesem Zeitpunkt der Radi geschält. Aber heute spielt hier die Frankfurter Eintracht. Ein Team, das manchmal barfuß und manchmal mit Lackschuhen antritt. Heute haben die Jungs vom Main die zweite Variante gewählt.

Von Respekt gegenüber den scheinbaren Platzherren ist nichts zu merken. Die Bayern sind im Gefühl des sicheren Sieges überheblich, in der Abwehr sogar nachlässig. Freistoß vor dem Münchner Kasten. Nickel läuft an und... hämmert den Ball ins Tor. Ein Schuss wie ein Strich an der Mauer vorbei. Nationaltorwart Sepp Maier kann nur noch hinterher schauen wie der Ball neben ihm einschlägt. Nur noch 2:1.

Die Eintracht ist jetzt eindeutig besser. Vor allem Grabi spielt heute groß auf und ist von Breitner fast nur durch Fouls zu bremsen. Trainer Weise merkt dies sofort. Der alte Taktikfuchs bringt für den Verteidiger Andree den quirligen Parits. Die Maßnahme von Weise zahlt sich alsbald aus. Die Eintracht setzt die Bayern im eigenen Stadion nun noch mehr unter Druck und nach einer schwachen Rückgabe Beckenbauers spritzt Hölzenbein dazwischen, umkurvt Maier und schiebt mit geradezu aufreizender Lässigkeit zum 2:2-Ausgleich ein.

Der zahlreich vorhandene Frankfurter Anhang kann sein Glück gar nicht fassen: Nach 0:2-Rückstand das Spiel fast gedreht. Das ist das Faszinierende an der Eintracht dieser Tage: In acht Spielen lag die Mannschaft fünfmal zurück und hat doch nicht einmal verloren.

In der Folgzeit entwickelt sich ein Klassespiel. Wütende Bayern berennen das Frankfurter Tor. Aber das ist einfach zu behäbig, was die Mannen um Franz Beckenbauer heute zeigen. Außer hohen Flankenbällen fällt ihnen nichts ein. Hohe Bälle gegen Uwe Kliemann - dies ist so sinnlos wie ein Loch im Kopf. Unverständlich, warum das keiner merkt, die 1,95 Meter des „Funkturms“ sind ja wohl nicht zu übersehen. Wie der sprichwörtliche Turm in der Schlacht fängt er die Flankenbälle des jungen Stürmers Uli Hoeneß und auch die Versuche des Außenverteidigers Breitner ab. Zwar ist da noch der Bomber der Nation, der geniale Gerd Müller, aber auch ihm gelingt es heute nicht den Riesen im Frankfurter Abwehrzentrum zu düpieren.

Auf der anderen Seite steht die Eintracht gut gestaffelt. Mit klugem Passspiel wirbeln die Frankfurter die Münchner immer wieder durcheinander. Auf dem linken Flügel ist Rohrbach kaum zu stoppen. Unnachahmlich wie er gleich drei Bayern aussteigen lässt. Die Eintracht ist jetzt kurz vor dem Sieg. Grabi dringt in den Strafraum ein, schaut, nimmt Maß, und wird von hinten von Breitner umgerissen. Alle haben es gesehen: Elfmeter, klare Sache! Alle - bis auf Schiri Siepe aus Köln. Der „Unparteiische“ lässt weiterspielen.

Und schon wieder haut der überforderte Breitner Grabi einfach um. Das gibt’s doch nicht. Mit Gelb ist der Mann jetzt gut bedient. Trainer Lattek nimmt ihn unmittelbar darauf vom Feld. Das wurde auch Zeit. Unmittelbar darauf passiert`s. Der listige Hölzenbein schnappt sich den Ball, läuft allein auf Maier zu und schießt. Das muss der Siegtreffer sein. Doch die Katze von Anzing macht sich lang und lenkt den Ball mit den Fingerspitzen am Tor vorbei.

Noch sechs Minuten, Bayern nochmals über links, Flanke auf Müller, der kann sich diesmal durchsetzen, Müller köpft und Dr. Kunter fliegt heran, Faustabwehr, vorbei. Das wäre auch des Guten zu viel gewesen. Das Spiel endet 2:2 „für“ Eintracht Frankfurt. Glück gehabt, Bayern! Die Hessen hätten den Sieg verdient gehabt, sind aber dennoch in der ihnen eigenen bescheidenen Art nicht unzufrieden mit der Punkteteilung.

Anschließend ist das Armbrustschützenzelt auf dem Oktoberfest fest in hessischer Hand. Äppelwoi gibt’s hier zwar nicht, aber man sieht nach dieser Galavorstellung nur lachende Gesichter. Immer wieder singen die Eintrachtfans von der Meisterschaft. Mal sehen, was daraus wird. Zu gönnen wäre es diesen Fans allemal. (uh)


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