Borussia Fulda - Eintracht Frankfurt

Freundschaftsspiel 1974/1975

0:9 (0:4)

Termin: 01.08.1974
Zuschauer: 3.500
Schiedsrichter: Reinhardt (Weyhers)
Tore: 0:1 Bernd Lorenz (9.), 0:2 Bernd Hölzenbein (20.), 0:3 Jürgen Grabowski (26.), 0:4 Jürgen Grabowski (39.), 0:5 Thomas Rohrbach (50.), 0:6 Bernd Lorenz (67.), 0:7 Thomas Rohrbach (80.), 0:8 Bernd Hölzenbein (86.), 0:9 Bernd Hölzenbein (89.)

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Borussia Fulda Eintracht Frankfurt

  • Weber
  • W. Schäfer
  • Borngräber
  • Diegelmann
  • Hofmann
  • Klüh
  • Müller
  • Groß
  • Reichl
  • Radovic
  • Panfil

 


 

Wechsel
  • Leutke für Weber (46.)
  • Seban für Hofmann (46.)
  • G. Schäfer für Groß (46.)
  • Walter für Radovic (67.)
Wechsel
Trainer
Trainer

 

Weltmeister in Torlaune

Heute – so hatte es die Saisonplanung vor 14 Tagen noch vorgesehen – sollte die Eintracht in Istanbul gegen Fenerbahçe auf einen ernsthaften Vorbereitungsgegner treffen. Wenn man bedenkt, dass die Eintracht beim Trip nach Fulda ohne Flugreise auskommt, ist es vielleicht gar nicht so schlecht, dass aus den Türkeiplänen nichts geworden ist.

Bernd Hölzenbein beispielsweise hat auch so genug Flugkilometer hinter sich gebracht, ist er doch erst am Montag braun gebrannt, aber nicht unbeschwert aus Ibiza zurückgekehrt ist. Er sieht den nächsten Wochen nicht ohne Bedenken entgegen: „Natürlich werden wir uns schinden, bis zum 17. August wieder zu unserer Bestform zu finden, aber ich befürchte, die Zeit der Vorbereitung bis zum Pokalfinale könnte etwas zu kurz sein."

Auch sonst haben sich die beiden Asse, die gleich an ihrem ersten Arbeitstag eine Stunde vor Beginn des Mannschaftstrainings mit Assistenztrainer Dieter Stinka laufend ein Sondertraining im Frankfurter Stadtwald absolvierten, im Urlaub ihre Gedanken gemacht. Beiden geht es darum, welche Rolle und welche Position sie künftig bei der Eintracht spielen werden, und beide haben konkrete Vorstellungen und Wünsche. „Ich möchte gern ins Mittelfeld rücken", stellt Grabi klar, dass er sich aus der Rolle des Flügelspielers endgültig herausgewachsen sieht, während Bernd Hölzenbein mit Grabowskis bisherigem Posten liebäugelt. „Eines steht jedenfalls fest, Linksaußen wie in der Nationalmannschaft möchte ich nicht spielen", betont der Holz. Dietrich Weise indes hüllt sich über die Rollenverteilung, die er seinen beiden Stars zugedacht hat, noch in Schweigen.

Die zeigen sich heute wie der gesamte Frankfurter Sturm in geradezu weltmeisterlicher Torlaune. Nachdem Grabi und Holz vorgestern im Spiel gegen Preußen Münster nur eine Halbzeit bzw. eine Stunde im Einsatz waren, ohne dass einem von beiden ein Treffer geglückt wäre, spielt Bernd Hölzenbein durch, während Jürgen Grabowski diesmal 64 Minuten am Ball ist. In dieser Zeit erzielt Grabi wie Rohrbach und Lorenz, die allerdings 90 Minuten dem runden Leder nachjagen dürfen, zwei Tore, Bernd Hölzenbein sogar drei.

Einer zweistelligen Niederlage entgehen die wackeren Fuldaer Amateure am Ende nur knapp. Es bleibt abzuwarten, ob der SV Weil am Rhein in drei Tagen ähnliches Glück haben wird. Langsam aber sicher scheint sich die Eintracht im wahrsten Sinne des Wortes auf das Pokalfinale gegen den HSV einzuschießen.

Mit einer so deutlichen Niederlage hatte man bei der Borussia nicht unbedingt gerechnet, vor etwas mehr als drei Jahren zog man sich mit einer 1:3-Niederlage ja noch passabel aus der Affäre. So bleibt heute nur die Erinnerung an andere Zeiten, als man der Eintracht noch Paroli bieten konnte. Aber ob die beiden 1:1-Unentschieden in den Freundschaftsspielen am 15.5.1949 und am 20.5.1934 sowie der 1:0-Sieg im Hessenpokal am 11.6.1950 ein Trost sind?

Kein Grund zurückzuschauen hat dagegen der 25-jährige Bernd Rügner, der seit einem Jahr bei den Eintracht-Amateuren spielt, und heute in der 70. Minute für Dr. Kunter zu einem Einsatz bei den Profis kommt. Rügner hat sich nach der Verletzung von Wienhold im Kampf um die Nummer 2 gegen den erst 18-jährigen Michael Krumbe durchgesetzt, der gerade der A-Jugend entwachsen ist. Sollte Wienhold bis zum Pokalfinale nicht fit genug sein, um auf der Bank Platz nehmen zu können, darf sich Rügner nun berechtigte Hoffnung machen, das Endspiel aus nächster Nähe zu erleben. (rs)

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