Eintracht Frankfurt - VfL Bochum

DFB-Pokal 1974/1975 - Achtelfinale

1:0 (1:0)

Termin: 15.03.1975
Zuschauer: 15.000
Schiedsrichter: Heinz Quindeau (Ludwigshafen)
Tore: 1:0 Roland Weidle (40.)

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Eintracht Frankfurt VfL Bochum

 


  • Werner Scholz
  • Michael Eggert
  • Klaus Franke
  • Hartmut Fromm
  • Michael Lameck
  • Dieter Versen
  • Jupp Tenhagen
  • Hermann Gerland
  • Werner Balte
  • Hans-Jürgen Köper
  • Josef Kaczor

 

Wechsel Wechsel
Trainer Trainer
  • Heinz Höher

 

Hässliche Spiele und geänderte Urlaubspläne

Vor dem Pokalspiel gegen Bochum und nach dem deutlichen Heimsieg gegen den MSV Duisburg ist ein Eintrachttrio auf Tour. Auf der britischen Insel geraten sie mit den Auswahlmannschaften des DFB sprichwörtlich vom Regen in die Traufe. War die Partie gegen den MSV bereits ein Vergnügen der besonders nassen Art, erwartet die Eintrachtspieler Hölzenbein und Körbel auf der anderen Seite des Kanals das Regenwetter, für das das „Mutterland des Fußballs“ berühmt ist. Hölzenbein und Körbel treten mit der Elf des Weltmeisters in Wembley gegen die englische Auswahl an, Bernd Nickel mit der B-Nationalmannschaft in Dublin gegen Irland, Zählbares bringen sie alle drei nicht mit nach Hause.

„Nach reiflicher Überlegung“ hatte sich Bundestrainer Helmut Schön für das Spiel gegen England für einen Sturm bestehend aus Ritschel, Kostedde und Hölzenbein entschieden. Gefragt, wie er sich denn im „Kickers-Sturm“ fühle, griente Bernd Hölzenbein noch vor der Partie: „Ganz gut, fehlt nur noch, dass der Konrad auf der Bank sitzt.“ Tat er nicht, aber hilfloser als Helmut Schön auf der Trainerbank könnte auch die Stammkundschaft eines Offenbacher Kiosks die 0:2-Niederlage in Wembley nicht erlebt haben: Die Elf des Weltmeisters aus Deutschland versank im tiefen Morast der altehrwürdigen Spielstätte. Schön schwante schon vor Anpfiff Böses: „Wenn ich den glitschigen, schweren Boden sehe, weiß ich, was auf uns zukommt.“

„Es ist wie bei den Diplomaten, das Parkett ist glatt“, war der deutsche Botschafter Karl-Günther von Hase um einen passenden Vergleich bemüht. Vielleicht hatten die Engländer ja die besseren Diplomaten in ihrer Elf, für die kaum vorhandenen Torchancen der DFB-Auswahl wollte Bernd Hölzenbein die Verantwortung jedenfalls nicht übernehmen: „An mangelndem Verständnis mit den Kickers-Spielern hat es nicht gelegen.“ „Aus dem Mittelfeld kam doch nichts. Ich glaube, ich brauche mir keine Vorwürfe zu machen“, gab „Holz“ nach seiner ersten Niederlage im 14. Länderspiel zu Protokoll und fand Unterstützung bei Helmut Schön: „Als leichtfüßiger Spieler hatte er es leichter, und er hat diesen Vorteil auch genutzt. Er hätte noch mehr daraus machen können, wenn er die nötige Unterstützung aus dem Mittelfeld gehabt hätte.“

Karl-Heinz Körbel wurde vom Bundestrainer in sein Pauschallob für die Abwehr einbezogen: „Die Hintermannschaft hat ihre Sache unter schwerstem Druck gut gemacht.“ Körbels Nominierung und Leistung brachte Schön allerdings mit seinem Libero in Verbindung: „Man darf nicht vergessen, dass er in unmittelbarer Nähe eines Weltklassespielers steht. Das hilft.“ „Neben Beckenbauer zu spielen, das gibt ungemein Sicherheit“, widersprach Körbel seinem Trainer erwartungsgemäß nicht. Uneingeschränkt zufrieden konnte Körbel mit seiner Leistung nicht sein, denn am 0:1 war er direkt beteiligt: „Mir hat zwar niemand einen Vorwurf gemacht, aber über das halbe Eigentor habe ich mich doch maßlos geärgert. Es war eine reine Reflexbewegung, als ich bei Bells Schuss den Arm hochriss und damit den Ball abfälschte.“ Über seinen Gegenspieler MacDonald, den Schützen des 0:2, wusste Körbel – möglicherweise nicht ganz frei von Hintergedanken - nur Lobendes zu sagen: „Einen solch dynamischen und gradlinigen Mittelstürmer gibt es in der Bundesliga nicht.“

Warum in die Ferne schweifen, Charly, das Gute liegt so nah. Wer darf schon mit den Weltmeistern Grabowski und Hölzenbein in einer Mannschaft spielen und einen Mittelfeldspieler vom Format eines Bernd Nickel gibt es schließlich auch nicht an jeder Straßenecke. Aus diesem Grund darf sich die Eintracht besonders glücklich schätzen, dass sie sich für weitere drei Jahre die Dienste von „Dr. Hammer“ sichern konnte. Einen Tag vor seinem 26. Geburtstag unterschrieb der Nationalspieler, der sich mit der B-Elf gegen Irlands erste Auswahl beim 0:1 in Dublin achtbar aus der Affäre zog, einen Drei-Jahresvertrag, der ihn bis zum Ende der Saison 1977/78 an die Frankfurter Eintracht bindet. „Mein Vertrag mit der Eintracht besteht aus einem Garantie- und einem Risiko-Teil. Die Bezüge des letzten Jahres bekomme ich garantiert. Und wenn viele Zuschauer kommen, kriege ich einen prozentualen Zuschlag. Ich finde diese Regelung sehr vernünftig: Hat der Verein mehr Einnahmen, hat auch der Spieler erhöhte Einkünfte“, erläutert Nickel seinen Vertrag und weist darauf hin, dass er mehrere Angebote von anderen Clubs hatte, „teils mit höheren Geldern“, so Nickel, „aber ich bin halt ein Eintracht-Fan.“ Für die anderen Eintracht-Fans wird Nickel Anfang Mai in der Frankfurter Bethmannstraße seinen „Eintracht-Shop“ eröffnen. Neben einer Toto- und Lotto-Annahme soll dort alles zu kaufen sein, was sich Eintracht-Fans wünschen.

Nicht käuflich zu erwerben, gibt es das Erreichen der nächsten Runde im DFB-Pokal, den die Eintracht als amtierender Pokalsieger nur zu gerne verteidigen möchte. Der heutige Gegner, der VfL Bochum, sollte die rechtzeitig wiedererstarkte Diva vom Main nicht von dieser Bühne schubsen können. Dreimal gastierten die Bochumer seit ihrem Bundesligaaufstieg im Jahr 1971 in Frankfurt, dreimal gingen sie als Verlierer vom Platz: 3:2, 4:1 und 3:1. Außerdem setzte es in den letzten vier Auswärtsspielen in der ersten Liga bei 1:10 Toren vier Niederlagen für Höhers Mannen und in den bisherigen elf Partien auf fremden Plätzen reichte es in dieser Bundesligasaison nur zu 3:19 Punkten bei 4:22 Toren.

Eintracht-Trainer Weise lässt sich von derlei Zahlenspielen nicht beeindrucken: „Bochum hat zwar 3 Bundesliga-Punkte auswärts geholt, dennoch wird es gegen die konditionsstarken Bochumer gewiss kein leichtes Pokal-Spiel.“ Den Worten ließ Weise Taten folgen und ging mit seiner Mannschaft ins Trainingscamp: „Wir wollen ja im Pokal weiterkommen.“

Das wollen die Gäste ebenfalls und ihr Trainer wird seine Mannschaft zu motivieren wissen, denn Heinz Höher stand bereits 1968 als Spieler mit dem VfL Bochum im DFB-Pokalfinale. Auch wenn der damalige Regionalligist dort gegen den 1. FC Köln mit 1:4 deutlich den Kürzeren zog, dürfte das der Höhepunkt in Höhers Karriere gewesen sein. Ein Höhepunkt, den Höher als Trainer nur zu gerne wiederholen würde. Versuchen will er das mit einer eingeschworenen Truppe, die überwiegend aus Jungs wie „Ata“ Lameck besteht, also Spielern aus dem „Pott“. Lameck hat seinen Spitznamen allerdings nicht in Bochum erhalten, sondern bereits als Jugendspieler bei seinem Heimatclub, dem TuS Essen-West 81. Die Buben mussten seinerzeit auf schwarzer Asche dem Leder hinterher jagen, entsprechend verdreckt waren die Trikots hinterher. Als die Nachwuchsfußballer nach einem Spiel in die Kabine gingen, meinte einer: „Die Jungens kriegste wohl nur mit Ata wieder sauber.“ Den Dreck bekam Lameck ab, doch der Name des Scheuermittels, der blieb an ihm hängen.

Nicht vorbeikommen soll der VfL heute an dieser Elf: Wienhold - Reichel, Trinklein, Körbel, Neuberger - Beverungen, Kraus, Nickel - Rohrbach, Grabowski und Hölzenbein. Frankfurt tritt also in unveränderter Aufstellung und Formation an, weiter mit Grabowski als Mittelstürmer und Neuberger als linkem Verteidiger.

Die 15.000 Zuschauer reiben sich denn auch vor dem Anpfiff nicht wegen der Aufstellung, sondern wegen der Trikotfarbe der Gäste die Augen: In für sie untypischen grünen Hemden laufen die Bochumer auf! Des Rätsels Lösung ist eine Panne, die den Gästen aus dem Ruhrpott unterlaufen ist. Im Gepäck des VfL für die heutige Auseinandersetzung befinden sich ausschließlich weiße Trikots. Da die Eintracht jedoch ebenfalls in weißen Jerseys spielen will, musste sich der Gast nach einer neuen Kluft umsehen - und das eine knappe halbe Stunde vor Spielbeginn. Den Bochumern kam gelegen, dass vor kurzem der DFB sein Hauptquartier unweit des Waldstadions bezogen hat und so läuft der VfL nun in den von der WM bekannten grünen Nationaltrikots auf.

Die Oberbekleidung ist natürlich das Einzige, was bei den Bochumern an Fußball auf höherem Niveau erinnert. Von den ersten Minuten an erinnern die Gäste eher an ernste Maurergesellen, denn an fröhliche Fußballer. Der Eintracht machen sie damit das Leben schwer und den Zuschauern das Spiel mies. Doch übelnehmen kann man den Bochumern ihre Taktik nicht, sie machen das Beste aus ihren begrenzten Mitteln und sind sich bewusst, dass es auch im Pokal keinen Schönheitspreis zu gewinnen gibt.

Das 1-5-5-System, das der VfL hier mit Erfolg praktiziert, lässt Eintracht-Trainer Weise zu dem Stoßseufzer gelangen: „So spielt keine andere Mannschaft in der Bundesliga!“ Das unorthodoxe Spiel der Westdeutschen passt aber immerhin zum neblig-trüben Wetter im Frankfurter Waldstadion. Trotz ihrer optischen Überlegenheit kann die Eintracht dem Wetter und der Bochumer Abwehr nichts Erfreuliches entgegensetzen, klare Torchancen bleiben so selten, dass sie auf einer Auktion als Raritäten hohe Gebote erzielen könnten. So wird Kraus in der 4. Minute bei einem Alleingang kurz vor Torhüter Scholz gestoppt und auch der überragende Neuberger, der in der 14. Minute aus dem Hinterhalt unaufhaltsam nach vorn stürmt und in den Strafraum der Gäste eindringt, bleibt ebenfalls in letzter Sekunde an einem Grünhemd hängen. Es gibt einfach kein Durchkommen. Da ist es kein Wunder, dass der schussgewaltige Beverungen in der 20. und 30. Minute sein Glück mit Weitschüssen sucht - vergebens. Weder mit Versuchen aus der Distanz noch mit dem gefürchteten Frankfurter Kurzpassspiel ist dem Gegner beizukommen, der die Räume so eng macht, dass den Kombinationen der Hausherren der Platz fehlt wie dem Fisch auf dem Trockenen die Luft zum Atmen.


Weidle erzielt das 1:0

Ein Ärgernis für die Frankfurter Zuschauer und ein bislang ungelöstes Problem für die Offensive der Eintracht ist die Bochumer Abseitsfalle. Auf Kommando stürmt die ganze Gästemannschaft urplötzlich wie ein Heuschreckenschwarm zur Mittellinie und lässt die Frankfurter Offensive mit unbeantworteten Fragen immer wieder im Abseits zurück. Doch es lauert die Gefahr, die alle Fallen mit sich bringen: Jeder kann hineinfallen, auch der, der sie entworfen und aufgebaut hat! Roland Weidle, der schon nach 16 Minuten den mit einer Oberschenkelzerrung ausgeschiedenen Peter Reichel abgelöst hat, schlägt nicht den von den Gästen erwarteten Pass zu einem erneuten Abseitspfiff, sondern stürmt an den nach vorn rennenden Bochumern auf eigene Faust in den völlig verlassenen Strafraum des VfL. Fromm verfolgt Weidle, will ihn von hinten noch beharken, doch da hat der Schwabe im Eintrachtdress bereits abgezogen und den Ball über den wie ein Käfer hilflos auf dem Rücken liegenden Scholz ins Tor geschossen. Nach 40 Minuten ist der Bann endlich gebrochen.

Die Fragen, ob es den Bochumern nach dem Rückstand gelingen wird, ihre Taktik erfolgreich zu ändern und ob die Eintracht nun mehr Raum für Kombinationen oder gar Konter haben wird, beantwortet die zweite Halbzeit recht zügig, aber nicht unbedingt nach dem Geschmack des Publikums. Auch wenn Grabowski, den Franke nicht aus den Augen lässt, und Hölzenbein das Angriffsspiel nun etwas schneller, dynamischer und einfallsreicher gestalten können, bleiben Torchancen eine Ware, die heute kaum gehandelt wird. Die Gäste haben ihrerseits in der ersten Halbzeit bereits viel Kraft gelassen, die ihnen nun im zweiten Durchgang fehlt.

Je länger die Partie läuft, desto deutlicher wird, dass die Frankfurter aus ihrer technischen Überlegenheit nicht unbedingt weiteres Kapital schlagen wollen, und mit der Erfahrung ihrer Nationalspieler den knappen Vorsprung zu verwalten suchen. Das geht um ein Haar ins Auge, denn die kapitalste Chance in den ersten 20 Minuten der zweiten Halbzeit haben die Gäste: Der junge Köper taucht in der 60. Minute nicht nur mutterseelenallein, sondern vor allen Dingen ohne Bewacher vor Wienhold auf, hebt den Flankenball aber zur Erleichterung der Frankfurter Fraktion im Stadion über das Tor.

Die Partie – es ist nicht anders zu beschreiben – wird immer langweiliger, unansehnlich war sie ja bereits die ganze Zeit. Schade, dass es Bernd Nickel an seinem 26. Geburtstag nicht vergönnt ist, dem Spiel die so dringend benötigten Impulse zu geben. Nickel wirkt nach der Länderspielreise nicht fit, eine starke Erkältung macht ihm sichtbar zu schaffen, so dass er die Freiheiten, die ihm sein Gegenspieler Tenhagen im Mittelfeld einräumt, nicht gewinnbringend zu nutzen vermag.


Bochums Torhüter Scholz
klärt vor Grabowski

Hölzenbein dagegen zeigt in der Schlussphase des Spiels eine Kampfkraft, die nach dem Spiel in Wembley nicht von ihm zu erwarten war, der Eintracht aber enorm hilft, denn wenigstens in den letzten zehn Minuten des verkrampften Pokalkampfes kommt es zu einem Schlagabtausch, der diese Bezeichnung auch verdient. Zuerst vereitelt Günter Wienhold in der 80. Minute die zweite große Bochumer Chance an diesem Tag: Er wehrt einen hart getretenen Freistoß von Tenhagen ab und entschärft anschließend auch noch den Nachschuss von Köper. Auf der anderen Seite bringt ein herrlicher Alleingang von Trinklein fast die Entscheidung. Scholz kann den Schuss Trinkleins nicht festhalten, Kraus erkämpft sich den Ball, doch der Winkel ist zu ungünstig, um den Ball ins leere Tor zu schieben. Scholz hakt nach, Kraus fällt, die Chance ist vertan.

In den letzten Minuten hat die Eintracht dann nach zwei mustergültigen Angriffen weitere große Chancen, doch Scholz wehrt Weidles Flachschuss ab und Hölzenbeins Kopfball nach einer Grabowski-Flanke geht über das Tor. Was soll’s, ein zweites Tor wird ohnehin nicht benötigt – die Eintracht gewinnt ein unschönes Spiel mit 1:0 und zieht ins Viertelfinale ein.

Trainer Weise ist erleichtert: „Wir sind froh, dass wir gewonnen haben. Beide Mannschaften haben es nicht fertiggebracht, Ruhe und Konzentration ins Spiel zu bringen. Das ist nun einmal typisch für Pokalspiele.“ Heinz Höher sieht die Dinge, das Spiel und das Ergebnis gelassen und realistisch: „Ich bin mit der Leistung meiner Mannschaft zufrieden, sie hat sich gegenüber dem letzten Spiel gegen Werder Bremen gewaltig gesteigert. Uns fehlen halt Spieler wie Grabowski und Hölzenbein, um auch auswärts stark auftrumpfen zu können. Unsere Ansprüche sind bescheiden, dennoch wäre es in diesen 90 Minuten nicht unmöglich gewesen, eventuell doch die nächste Runde zu erreichen.“

Willi Neuberger will sich die Siegesstimmung nicht durch Kritik am Spiel nehmen lassen: „Wenn wir ins Finale kommen, dann fragt doch kein Mensch mehr, wie wir im Achtelfinale gespielt haben.“ „Im Pokal zählt allein das Weiterkommen“, findet auch Thomas Rohrbach und Wolfgang Kraus ulkt in Anspielung auf die grünen Bochumer Trikots mit dem Bundesadler: „Immerhin haben wir die komplette Nationalmannschaft geschlagen.“

Nur Kapitän Jürgen Grabowski bekundet ein schlechtes Gewissen: „Ich bin nicht zufrieden, dass wir den 15.000 Zuschauern kein besseres Spiel geboten haben. Aber ich hoffe, unsere Fans nehmen uns das nicht übel. Im Pokal wird eben nur auf Sieg und nicht auf eine hohe Torausbeute wie etwa in der Bundesliga gespielt.“ Grabowski macht es sich in seiner Analyse nicht einfach und weigert sich, den Gästen und ihrer destruktiven Spielweise die Schuld am unattraktiven Spiel in die Schuhe zu schieben: „Mir hat sogar imponiert, wie konsequent und diszipliniert die Bochumer ihr System gespielt haben. Wir sind für das Bundesligaspiel in zwölf Tagen gewarnt. Wir haben hingegen keine überzeugende Leistung geboten, weil uns heute die nötige Frische gefehlt hat.“ „Das ist eben der Nachteil, wenn ein Verein so zahlreich in den Ländermannschaften vertreten ist. Ich glaube, damit ist auch der Einbruch der Kölner in Düsseldorf zu erklären“, stimmt Weise seinem Kapitän mit passender Erläuterung zu und sieht sich zu einem bei ihm eher seltenen Einzellob veranlasst. „Die Art, wie Bernd Hölzenbein dennoch zum Schluss, als uns die Knie weich wurden, gekämpft hat und gerannt ist, hat uns sehr geholfen und verdient besondere Anerkennung.“

Einen anderen Nationalspieler nimmt der Trainer gegen Kritik ausdrücklich in Schutz und das nicht etwa, weil dieser Geburtstag feiert: „Zu Bernd Nickel muss ich sagen, dass man bei seiner Leistung berücksichtigen muss, dass er nicht nur das schwere Spiel in Dublin am letzten Dienstag noch in den Knochen hatte, sondern obendrein auch noch stark erkältet war.“ Der letzte Auswahlspieler im Bunde meldet sich auch zu Wort. Trotz seiner überzeugenden Partie gegen Bochums Torjäger Jupp Kaczor mäkelt Körbel an der eigenen Vorstellung: „Es hat doch die sonstige Spritzigkeit gefehlt.“

Ex-Nationalspieler Willi Neuberger wird von Helmut Schön wohl nicht mehr in eine Auswahlmannschaft berufen werden, doch im Spiel der Eintracht wird der Wanderer zwischen den Strafräumen immer mehr zu einer zentralen Figur. Gerland, der heute nicht einmal an Neuberger vorbei kam, erlebte den Zerstörer, seine Kameraden in der Abwehr den offensiven Verteidiger, der im Stile Paul Breitners nach vorne prescht und das Feld von hinten aufzurollen versteht. Neuberger ist nicht nur ein Publikumsliebling, sondern – das darf bei der sonst üblichen Kritik an den Verpflichtungen der Frankfurter Eintracht auch einmal erwähnt werden – ein wahrer Glücksgriff der Riederwälder.

Gut eine gute Stunde nach dem Schlusspfiff ist dann der allgemeine Missmut über das nach den Worten von Thomas Rohrbach „hässliche Pokalspiel“ völlig verflogen. Der elfjährige Dachauer Steppke Peter Herbert sichert als männliche „Pokalfee“ in der ARD-Sportschau der Eintracht nicht nur den erneuten Heimvorteil, sondern auch mit dem SC Jülich oder der Fortuna aus Köln einen Gegner, den man nicht nur schlagen kann, sondern schlagen muss. Das sieht man im rauchgeschwängerten Presseraum des Waldstadions, wo nahezu die komplette Mannschaft der Auslosung harrte, genau so – anders ist der ohrenbetäubende Jubel nach dem gezogenen Los nicht zu erklären.

Während die übrige Bundesliga-Konkurrenz im Viertelfinale aufeinanderprallt, hat die Frankfurter Eintracht nun beste Aussichten, den Silberpokal zu verteidigen. Bernd Hölzenbein jedenfalls schaut weit voraus: „Allmählich müssen wir daran denken, unsere Urlaubspläne zu ändern.“ Die Bundesliga endet am 14. Juni, für die Pokalfinalisten ist jedoch erst nach dem 21. Juni die Saison zu Ende. (rs)

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