Eintracht Frankfurt - FC Bayern München

Bundesliga 2007/2008 - 29. Spieltag

1:3 (1:0)

Termin: Mittwoch 16.04.2008, 20:00 Uhr
Zuschauer: 51.500
Schiedsrichter: Babak Rafati (Hannover)
Tore: 1:0 Benjamin Köhler (29.), 1:1 Daniel van Buyten (60.), 1:2 Luca Toni (74.), 1:3 Luca Toni (85.)

>> Spielbericht <<

Eintracht Frankfurt FC Bayern München

 


  • Michael Rensing
  • Willy Sagnol
  • Lucio
  • Daniel van Buyten
  • Christian Lell
  • José Ernesto Sosa
  • Andreas Ottl
  • Toni Kroos
  • Bastian Schweinsteiger
  • Franck Ribery
  • Luca Toni

 

Wechsel Wechsel
  • Lukas Podolski für Toni Kroos (46.)
  • Jan Schlaudraff für Franck Ribery (68.)
  • Philipp Lahm für Willy Sagnol (78.)
Trainer Trainer
  • Ottmar Hitzfeld

 

Das ausgefallene Begräbnis

"Sie sind das Zugpferd. Sie sind der Branchenführer seit 30 Jahren. Sie sind einer der vier, fünf besten Vereine - weltweit. Sie sind erfolgsbesessen. Besser geht es nicht." Dies sagt nicht Herr Beckenbauer oder der Reporter eines deutschen Bezahlsenders, sondern Friedhelm Funkel über den heutigen Gegner, der schon fast Deutscher Meister ist und am Samstag im Finale um den DFB-Pokal steht. Doch Bange machen gilt nicht, schließlich haben die Adler bereits im Hinspiel nach einer beherzt geführten Abwehrschlacht einen Punkt aus München entführt und im Vorjahr durch das grandiose Tor von Preuß mit 1:0 gewonnen. So ergänzt der Trainer denn auch: "Wir haben unsere Chance, wenn wir über uns hinauswachsen. Außerdem hat die Mannschaft den Anspruch, die zweite Halbzeit von Hannover vergessen zu machen."

Und das kann sie auch, denn Trainer Funkel wechselt seine Mannschaft im Vergleich zur 1:2-Niederlage in Hannover nur auf einer Position. Für den an den Adduktoren verletzten Toski rückt Weissenberger wieder ins Mittelfeld und Martin Fenin auf die rechte Außenbahn.

Ganz anders sieht es bei den Bayern aus, denn vier Tage vor dem DFB-Pokalendspiel gegen die Dortmunder, die man am letzten Spieltag mit 5:0 nach Hause schickte, wechselt Trainer Hitzfeld auf gleich fünf Positionen. Oliver Kahn kann verletzungsbedingt in Frankfurt nicht gebührend in die Rente verabschiedet werden, für ihn steht heute Rensing im Tor. Ferner spielen Demichelis, Lahm, Zé Roberto und Podolski heute nicht, dafür aber Ribery, Lucio, Sosa und Kroos. Trainer Funkel zu der sogenannten 1-B-Auswahl: "Ottmar ist schlau, er lässt nur Spieler pausieren, die mit den Gedanken schon beim Pokalendspiel sind. Die anderen Spieler, die dafür zum Einsatz kommen, werden sich zerreißen und noch mehr laufen.“

Es ist ein riesiger Empfang für die Adler im ausverkauften Waldstadion, in der Westkurve werden schwarze, rote und weiße, jedoch keine rosa Luftballons zum Tanzen gebracht und auch für die Gäste hat man eine nette Begrüßung parat: “Große Namen werden hier begraben“, steht auf einem Banner geschrieben. So soll es sein.

Und so geht es auch los, denn die Adler machen zu Beginn des Spiels richtig Druck und haben auch gleich eine gute Chance über Weissenberger in zentraler Position, der von Köhler auf der rechten Seite angespielt wird. Mit einem tollen Diagonalpass bedient er den sich freilaufenden Amanatidis auf der linken Seite, der den Ball im Strafraum annehmen und sich gegen Sagnol durchsetzen kann. Ein flacher Schuss, Rensing pariert, die Kugel rollt Richtung Torlinie, aber Lucio kann klären (3.).

Die Eintracht spielt weiter schnell und direkt, wohl sehr zur Überraschung der Bayern, denn die brauchen gut 10 Minuten, um sich auf die sich ständig rotierenden Köhler und Weissenberger im Mittelfeld einzustellen. Doch langsam läuft die Weißwurstmaschinerie an. Die ersten Ballstafetten im Mittelfeld gelingen, die Bayern bekommen die Oberhand, aber nur im Mittelfeld, denn weder an Russ und Galindo noch an Inamoto und Fink gibt es ein Vorbeikommen für die Weltklassespieler. So hilft der Zufall, als Ochs bei einem Abwehrversuch gegen Kroos ausrutscht, der 18jährige aber aus acht Metern aus spitzem Winkel nur das Außennetz trifft (16.).

Kurz darauf ist es Ottl, der aus dem Mittelfeld die Lücke in der eng gestaffelten Abwehr findet und Toni am rechten Strafraumeck anspielt. Toni schießt sofort ins rechte Eck, doch Pröll reagiert schnell und kann parieren. Im direkten Gegenzug zieht Fink aus 25 Metern ab, aber sein Schuss geht knapp am linken Pfosten vorbei (18.).

Die Adler lassen die Bayern nicht zum Zug kommen, mit viel Einsatz werden die Räume im Mittelfeld eng gemacht. Toni schaut dem erfolglosen Kombinationsspiel seiner Kollegen vor dem Strafraum der Adler gelangweilt zu, ausruhen wird er sich in der Halbzeitpause nicht müssen. Lucio hat da schon wesentlich mehr zu tun, denn immer wieder schaffen es die Adler, mit schnellen Angriffen die von Funkel vorgegebene „Taktik der Nagelstiche“ umzusetzen.

Dann die 29. Minute, Weissenberger erkämpft sich das Leder im Mittelfeld von Ottl und passt sofort auf die rechte Seite. Über Fenin und Amanatidis kommt der Ball zu Patrick Ochs, der die rechte Außenbahn entlang stürmt und dann wunderbar an den zweiten Pfosten flankt. Perfekt für den kleinen Köhler, der sich zuvor von Lucio weggeschlichen hatte und nun aus fünf Metern mit dem Kopf (sic!) einnickt (29.). Das 1:0 für die Eintracht!

Der Fastmeister reagiert wenig meisterlich, mit Gewalt werden nun die Angriffe nach vorne getragen. Immer wieder soll Toni mit hohen Flanken gefüttert werden, doch bei Russ ist er in besten Händen. Der 22jährige gewinnt souverän jedes Kopfballduell gegen den Weltmeister.

Dann die 45. Minute, Amanatidis spielt zu Fink, der durch die Abwehr auf den sich freilaufenden Fenin spielt. Der Tscheche ist schneller als Sagnol und Lucio, läuft alleine auf das Tor zu und umspielt Torhüter Rensing, der ihn ins Straucheln bringt. Fenin fällt nicht elfmeterreif, sondern bleibt am Leder und spielt zurück auf Amanatidis. Doch der Kapitän verzieht die Kugel fünf Meter vor dem Tor. „Das war ein Knackpunkt im Spiel. Wir hätten zweimal das 2:0 machen können, haben es aber nicht gemacht“, hadert Trainer Funkel mit der Chancenverwertung.

Zur zweiten Halbzeit setzt Trainer Hitzfeld auf noch mehr Offensive und bringt Podolski für Kroos, Ribery rückt hinter die Spitzen vor, wohl auch, um Galindo auszuweichen, der ihn bislang perfekt abgedeckt hatte. Aber auch die Umstellung nützt zunächst nichts, die Adler kämpfen und haben auch die besseren Chancen.

Die 58. Spielminute, Freistoß für die Eintracht durch Weissenberger. Der Österreicher flankt in den Strafraum, Amanatidis kommt an das Leder, wird aber in letzter Sekunde abgelaufen, es gibt Ecke für die Adler von der rechten Seite. Fink spielt hoch in den Strafraum, Torhüter Rensing fliegt vorbei und van Buyten wehrt zu kurz ab, genau auf Fenin, der das Leder stoppt und mit rechts aus 18 Metern abzieht. Rensing kann den Schuss reflexartig mit dem Oberschenkel an die Latte lenken (59.), das war Glück für die Gäste von der Isar. “Man kriegt gegen Bayern nicht viele Chancen. Und wenn man sie kriegt, muss man sie nutzen", ärgert sich Torhüter Markus Pröll.

Im direkten Gegenzug kommen die Bayern zu einer Ecke von der rechten Seite. Schweinsteiger flankt hoch in den Strafraum, van Buyten stößt den vor ihm stehenden Galindo um und köpft aus fünf Metern nun unbedrängt ins linke Eck. Ein klares Foul, doch Schiedsrichter Rafati hat nichts gesehen, es steht 1:1 (60.).

Damit wollen sich die Adler nicht zufriedengeben und greifen druckvoll an, diesmal über die rechte Seite mit einem schönen Doppelpass von Amanatidis und Fenin. Lell grätscht, doch der junge Tscheche bleibt am Leder, wuselt sich in den Strafraum, bis der Ball weggeschlagen wird. Doch das Leder landet bei Fink, der sofort auf Weissenberger abspielt. Der Österreicher schießt aus 16 Metern flach in die rechte Ecke, Torhüter Rensing fliegt, kann den Ball aber nur nach vorne abwehren, wo Amanatidis goldrichtig steht und ins Netz einschiebt. Doch der Linienrichter hat die Fahne oben: Beim Schuss von Weissenberger stand der Kapitän ca. 20 Zentimeter im passiven Abseits (66.).

Danach versucht es die Eintracht noch einmal verstärkt mit schnellen Angriffen, doch gerade den Dauerläufern Köhler und Weissenberger merkt man nun an, dass das Herumwirbeln Kraft gekostet hat. Nachdem Weissenberger bei einem Solo auf das Tor von Rensing leider locker überlaufen wird, kommt Heller erstmals nach seiner fast elfmonatigen Verletzungspause für den Österreicher (71.).

Dann die 74. Minute, Ottl im Mittelfeld am Ball, er findet keine Anspielstation und spielt quer auf Sagnol, der einfach mal in den Strafraum passt. Schweinsteiger kommt am Fünfmeterraum an das Leder, obwohl Galindo und Spycher bei ihm sind. Der Schweizer ist zu langsam und Galindo schlägt ein schönes Luftloch, so dass es Schweinsteiger im Fallen gelingt, den Ball nach innen zu ziehen. Pröll wehrt unglücklich mit einer Hand ab und Toni bewegt sich dann doch einen Schritt und schiebt die Kugel im Fünfmeterraum ein. Es steht 1:2 für die Bayern.

Danach zeigen sich dieselben Auflösungserscheinungen wie schon in Hannover, Spycher versucht vorne mitzumischen, im Spiel nach hinten mangelt es ihm dafür an Übersicht und Schnelligkeit. Fenin und Heller wirbeln auf der rechten Außenbahn, doch es fehlen die Anspielstationen im Sturmzentrum. In der 81. Minute wechselt Trainer Funkel noch einmal aus: Für den gut spielenden Michael Fink kommt Caio.

Doch die Bayern lassen nun nichts mehr anbrennen, die Kugel wird routiniert im Mittelfeld hin und hergespielt und die Abwehr steht sicher. Die 85. Spielminute, Spycher ist bei einem Konter am Ball und bringt sich selbst mit einem unnötigen Doppelpass mit Köhler in Bedrängnis. Schweinsteiger erkämpft sich das Leder am Mittelkreis und spielt einen langen Pass auf die nun verwaiste rechte Seite zu Schlaudraff. Der hat alle Zeit der Welt, schaut und flankt in die Mitte auf den mittrabenden Toni, der die Flanke Volley aus sechs Metern in die linke Ecke haut. Das 3:1 für die Bayern.

Das war es dann für die 70 Minuten lang klasse kämpfenden Adler. Das Begräbnis der Bayern fiel heute leider aus und wird auf die nächste Saison verschoben. Die Eintracht bleibt auf Platz 8 mit 42 Punkten und empfängt am nächsten Spieltag Borussia Dortmund.

Stimmen zum Spiel

Ioannis Amanatidis: „Wir waren über 60 Minuten gegen ein europäisches Spitzenteam die bessere Mannschaft und wurden dann bestraft. Die haben uns zweimal ausgekontert und gewinnen hier völlig unverdient.“

Ottmar Hitzfeld: "Wir haben heute viel Glück gehabt, Frankfurt hätte auch das zweite Tor machen können. Wenn Luca Toni bei Frankfurt gespielt hätte, wäre das Spiel vielleicht 3:1 für die Eintracht ausgegangen."

Friedhelm Funkel: “Ich kann meinen Spielern keinen Vorwurf machen. Wir haben den Bayern 90 Minuten lang Paroli geboten. Ich bin stolz auf meine Jungs. Mit etwas mehr Glück hätten wir die Bayern schlagen können.“ (tr)

 

>> Spieldaten <<

 

© text, artwork & code by fg