Fußball unter Bomben

1943
1944


August Möbs

Schwer wiegen für die verbliebenen Vereinsmitglieder die Verluste unter Mitspielern und Freunden. So fallen aus den Reihen der ersten Mannschaft unter anderem die Nationalspieler Hugo Mantel und Willi Lindner sowie Stefan Hemmerich und der erst 18 Jahre alte Albrecht Bechtold an der Ostfront. Ludwig Schmitt stirbt in russischer Kriegsgefangenschaft und bei Luftangriffen Anfang Februar '44 kommt unter anderem August Möbs, wie Mantel und Schmitt Mitglied der Vizemeistermannschaft von 1932, ums Leben.

Trotz des Grauens des nunmehr vier Jahre dauernden Krieges hält das Fachamt Fußball des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen aber den Ligabetrieb aufrecht. Für die Eintracht beginnt dieser in der Gauliga Hessen-Nassau mit dem Spiel beim VfL Rödelheim am 3. Oktober 1943, das mit 9:2 gewonnen wird. Nur einen Tag später erlebt Frankfurt einen der bislang schwersten Luftangriffe, bei dem mehr als 500 Menschen ums Leben kommen und der unter anderem die Sportanlage am Riederwald in Schutt und Asche legt.


Vor dem Freundschaftsspiel der Eintracht (links)
gegen die Soldatenmannschaft 'Rote Jäger' des
Jagdgeschwaders 52 am 18. September 1943
im Höchster Stadtpark (1:4)

Die Eintracht ist nun heimatlos, denn angestrebte Rückkehr zum Sportplatz an der Roseggerstraße ist zunächst nicht möglich, da dieser von der Stadt einer Sportgruppe der SA zur Verfügung gestellt wurde. Also trägt man die nächsten drei Heimspiele als Gast am Bornheimer Hang aus. Zum Jahresbeginn 1944 erhält die Eintracht schließlich doch die Erlaubnis, als Mitnutzerin ihre Spiele auf dem Roseggerplatz auszutragen. Zu diesem Zeitpunkt rangiert man in der zehn Vereine umfassenden Liga mit 9:7 Punkten auf dem vierten Platz.


Das zerstörte Vereinsgelände nach einem
Bombenangriff am 4. Oktober 1943

Durch acht Spiele ohne Niederlage kann sich die Eintracht auf den dritten Rang vorarbeiten. Vor den beiden letzten Spieltagen erlebt Frankfurt am 18. und 22. März die schwersten Luftangriffe des Zweiten Weltkriegs auf das Stadtgebiet. Jeweils 1.000 Bomber greifen die Stadt an und werfen innerhalb von 90 Minuten fast 3.000 Sprengbomben und 2 Millionen Brandbomben. Mehr als 11.000 Wohngebäude werden schwer getroffen oder vernichtet, etwa 75 Fabrikanlagen, 136 öffentliche Gebäude, Schulen, Krankenhäuser, Museen, Gebäude der Universität, Bahnhöfe, Depots der Straßenbahn, Opernhaus und Schauspielhaus, sind total oder schwer zerstört. Fast 1.800 Menschen sterben während der Angriffe, 180.000 werden obdachlos.

Dennoch rollt der Ball ab Mitte Mai '44 wieder. Am vorletzten Spieltag kassieren die Riederwälder bei den Kickers mit 0:10 die höchste Niederlage der Vereinsgeschichte, eine Woche später scheidet man nach einem 2:4 bei der Kriegssportgemeinschaft Wiesbaden aus dem Tschammer-Pokal aus. Das 1:1 gegen den FSV am 2. Juli bildet schließlich den Saisonabschluss der Punktrunde in der Gauliga Hessen-Nassau, in der sich die Eintracht mit 23:13 Punkten auf dem vierten Rang platziert hat.

 

 

 
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