Ein folgenschweres Foul und ein europäischer Titel

1979
1980

Etliche neue Spieler stehen Trainer Rausch für diese Spielzeit zur Verfügung: Klaus Funk vom VfB Stuttgart rückt auf den Platz von Jupp Koitka (zu Rot-Weiß Lüdenscheid) im Tor, der Südkoreaner Bum-Kun Cha und Harry Karger, der vom FC Burgsolms kommt, sollen im Angriff Rüdiger Wenzel (zu Fortuna Düsseldorf) und Ruedi Elsener (zum FC Zürich) ersetzen. Als Verstärkung für die Defensive wird Horst Ehrmantraut vom FC Homburg akquiriert. Hinzu kommen Lottermann sowie die drei Amateure Schaub, Gruber und Trapp, die in den Profikader wechseln. Dagegen verlassen Kraus (zu Bayern München) und Lothar Skala (zu Chicago Sting) den Verein.

Das Sitzkopfballtor von Hölzenbein zum 2:0

Mit einer 0:1-Heimniederlage gegen Dortmund leistet sich die Eintracht einen klassischen Fehlstart in die Bundesligarunde. Aber bald zeigen sich die Torjägerqualitäten von Cha und ‚Schädel-Harry‘ Karger. Trotz einer 10-wöchigen Sperre für Libero Pezzey nach einer Tätlichkeit belegen die Adlerträger zum Ende der Hinrunde mit 20:14 Punkten und vier Punkten Rückstand auf den Spitzenreiter Bayern München den fünften Platz. Da man nach einem Sieg gegen Waldhof (2:0) auch die dritte Runde im DFB-Pokal überstanden hat und im UEFA-Cup nach Triumphen über den FC Aberdeen (1:1, 1:0), Dinamo Bukarest (0:2, 3:0 n. V. mit dem legendären Sitzkopfballtor von Bernd Hölzenbein) und Feyenoord Rotterdam (4:1, 0:1) im Viertelfinale steht, sind die Aussichten rosig.


Der Kapitän geht von Bord

Doch die Realität holt Mannschaft und Fans schnell ein. Pezzey fehlt der Mannschaft erneut nach Krankheit und einer Roten Karte, durch die er sich nochmals sechs Wochen Sperre einhandelt, ein 2:3 gegen den VfB Stuttgart bedeutet das Aus im DFB-Pokal. Am 15. März dann der Schock: Der Mönchengladbacher Lothar Matthäus foult Jürgen Grabowski so schwer, dass dies das Karriereende des Kapitäns und Spielmachers bedeutet. Fünf Niederlagen in Serie folgen, zudem gibt das Präsidium zum Unmut vieler Fans die Trennung von Trainer Rausch zum Ende der Spielzeit bekannt.

Am 32. Spieltag im Heimspiel gegen Werder Bremen stellt der junge Amateur Christian Peukert einen kaum schlagbaren Rekord in puncto Tore pro Spielminute auf. Beim Stande von 2:2 wird er zwei Minuten vor dem Abpfiff eingewechselt, was der Rundfunk-Reporter so kommentiert: „Eine unverständliche Auswechslung.“ Nur wenige Sekunden später erhält Peukert den Ball, zieht von der linken Seite aus 25 Metern ab und trifft zum 3:2. Es ist Peukerts einzige Ballberührung in diesem Spiel und auch seine einzige Bundesligapartie im Trikot der Eintracht.

Letztlich schließt die Eintracht in der Liga als Neunter ab, nach Grabis Ausfall gab es gerade noch einen Sieg. Dass dieses durchwachsende Abschneiden in der Liga kaum einen Fan interessiert, liegt am UEFA-Cup. Nachdem im Viertelfinale Zbrojovka Brünn ausgeschaltet wird (4:1, 2:3), wartet als Halbfinalgegner Bayern München. Nach einer 0:2-Niederlage im Hinspiel scheint ein Weiterkommen unwahrscheinlich, doch in Frankfurt entfesselt die Eintracht einen beeindruckenden Sturmlauf und kann bis zum Ende der regulären Spielzeit das Hinspielergebnis egalisieren. Drei weitere Eintracht-Tore in der Verlängerung bei nur einem Gegentreffer bringen einen 5:1-Sieg und den Einzug in den beiden Endspiele. Gegner ist der Titelverteidiger Borussia Mönchengladbach.


Schaubs goldener Schuss


Der UEFA-Cup Sieger 1980

Das erste Finalspiel findet in Gladbach statt, die Eintracht zeigt sich stark, muss aber trotz zweimaliger Führung eine unverdiente 2:3-Niederlage verdauen. Das Rückspiel wird für die Eintrachtfans zur Geduldsprobe. Als es 13 Minuten vor Schluss immer noch 0:0 steht, wechselt Rausch den 19-jährigen Fred Schaub ein, über den er vor Jahresfrist gesagt hatte: „Dieser Junge wird eines Tages 40.000 zum Rasen bringen“. Nur vier Minuten später erfüllt sich diese Prophezeiung. Nach Zuspiel von Bernd Hölzenbein schießt Schaub zum 1:0 ein. Dieses Ergebnis hat bis zum Schlusspfiff Bestand: Eintracht Frankfurt hat den UEFA-Cup gewonnen.

 

 
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© text by fg