Kurz vor dem finanziellen Kollaps

1981
1982


Gewogen und zu leicht
befunden: Jogi Löw
kann seine Bundesliga-
tauglichkeit nicht beweisen
Die personellen Veränderungen bei der Eintracht zur Saison 81/82 betreffen sowohl die Vereinsführung, als auch den Bundesligakader. Axel Schander tritt an die Stelle des bisherigen Präsidenten Achaz von Thümen, Hermann Höfer wird Vizepräsident und der Vertrag mit Manager Udo Klug wird vorzeitig gekündigt. Von den Spielern gehen Rigobert Gruber, Michael Blättel, Norbert Hönnscheidt und Hans-Peter Zick. Neu zum Training am Riederwald kann Trainer Buchmann Holger Anthes vom FSV und Joachim Löw vom VfB Stuttgart begrüßen. Als Ergänzungsspieler werden Achim Görtz und Bernd Eufinger verpflichtet. Ralf Falkenmayer rückt aus dem eigenen Nachwuchs in den Profikader auf und startet auch gleich durch: In 40 der 42 Pflichtspiele steht der Youngster auf dem Rasen.

Aufgrund der prekären Finanzsituation wird die Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb in der nächsten Saison als Minimalziel ausgegeben. Früh zeichnet sich allerdings ab, dass das Erreichen des UEFA-Cups nur schwer realisierbar sein wird, da sich die Eintracht im Mittelfeld der Liga bewegt. Zumindest wird die erste Runde des Europapokals der Pokalsieger überstanden, wenn auch mit ‚Nachsitzen‘: Nach dem 2:0-Heimsieg gegen PAOK Saloniki ist nach einem 0:2 im Rückspiel in Griechenland ein Erfolg im Elfmeterschießen nötig.


Ankündigungsplakat für
das Heimspiel gegen
Saloniki

In der zweiten Runde wird der SKA Rostow nach einer 0:1-Auswärtsniederlage im Stadion mit 2:0 geschlagen und damit der Einzug in die nächste Runde sichergestellt. Zu diesem Zeitpunkt sind die Träume von einer Titelverteidigung im DFB-Pokal nach einem 1:3 in der zweiten Runde bei Fortuna Düsseldorf bereits ausgeträumt. Dafür keimen wieder Hoffnungen auf einen UEFA-Cup-Platz auf - zur Winterpause belegt die Eintracht in der Bundesliga mit 20:14 Punkten den sechsten Rang und weist damit nur einen Punkt Rückstand auf den fünften Platz auf, der für diesen europäischen Wettbewerb qualifiziert.


Neuberger (li.) in seinem
500. Bundesligaspiel

Die Desillusion folgt im Februar und März. In der Liga fällt die Eintracht nach fünf Niederlagen in sechs Spielen auf den zehnten Rang zurück, und im europäischen Pokalsiegerwettbewerb fehlt gegen Tottenham Hotspur ein Quäntchen Fortune. Nach einer 0:2-Niederlage in London führen die Adler im Waldstadion zwar bis zur 80. Minute mit 2:0 und haben damit den Vorsprung der Spurs aufgeholt. Doch ein Treffer von Glenn Hoddle zum 2:1-Endstand bedeutet das Ausscheiden im Viertelfinale. Zu spät kommt auch der Endspurt in der Bundesliga, der in den letzten neun Partien 13:5 Punkte bringt - darunter ein 4:3 gegen Bayern München, das gleichzeitig Willi Neubergers 500. Bundesligaspiel ist. Zu mehr als dem achten Platz mit 37:31 Punkten reicht es nicht. Einzig in Sachen Tore ist man mit 83:72 Treffern nach 34 Spieltagen führend; in den Partien keiner anderen Mannschaft fielen mehr Tore.

Der sportliche Misserfolg verschlimmert die finanzielle Lage der Eintracht zusehends, zumal sich der mögliche Transfer von Pezzey nach Italien zerschlägt. Optimistisch hatte man damit gerechnet, für die Österreicher einen Transfererlös von 3,5 Millionen Mark zu erzielen. Durch zahlreiche Spenden und Bürgschaften sowie den Verkauf von Nachtweih an Bayern München, der 1,7 Millionen Mark in die leeren Kassen bringt, gelingt es jedoch in letzter Minute, die in Gefahr geratene DFB-Lizenz für die nächste Spielzeit zu sichern.

 

 

 
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© text by fg